Kommissar Thiel kramt mit Professor Boerne in dessen Kisten mit Erinnerungsstücken

© ORF/Willi Weber/ARD

TV-Tipp
11/03/2019

"Tatort": Boerne und Thiel sind "wunderbare Promenadenmischung“

In „Lakritz“ (20.15, ORF2) schwelgen Jan Josef Liefers und Axel Prahl in bittersüßen Erinnerungen.

von Christoph Silber

„Er ist tot, endlich“, sagt die Haushälterin ins Telefon und lächelt dabei. Das Hinscheiden des selbstverliebten Marktmeister Hannes Wagner ist für niemanden in Münster ein echter Verlust. „Gestern noch der König der Welt und heute nur noch eine leere Hülle“, meint auch Rechtsmediziner Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) recht ungerührt.

Womit im „Tatort: Lakritz“ (20.15, ORF2) die klassische Thiel-Boerne-Unterhaltung eröffnet ist. Auch dieser 35. Fall lebt von pointierten Dialogen und großem Wortwitz – und vom Charme nostalgischer Gefühle.

Die Ermittlungen führen Boerne und Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) in Münsters gehobene Schicht. Jahrelang hatte der nun tot auf dem edlen Parkett der Stadtvilla liegende Wagner das Sagen über den weithin bekannten Wochenmarkt und war für die Vergabe der heiß umkämpften Standlizenzen zuständig. Doch nun hat es ihn dahingerafft, hat er doch mit Zyankali vergiftetes Lakritz genascht. Wagners Wohlstand und Machtfülle werfen nun allerlei Fragen auf.

Erinnerungsreise

Seiner Natur folgend, steckt Boerne seine Nase tief in diesen Fall – und er riecht die Vergangenheit. Denn just der spezielle Geruch der schwarzen Süßigkeit sorgt für eine bittersüße Erinnerungsreise zurück in seine Teenagerzeit. „Boerne begegnet seinem großen Trauma vom seelischen ,Lakritztod‘ und gleichzeitig seiner einstigen Jugendliebe“, erzählt Liefers. Auch er selbst war „sehr gespannt, wie der Professor wohl als 13-Jähriger aussah und wie er sich so benahm.“

In Rückblenden lernen die Zuschauer nun endlich den jungen Karl-Friedrich (Vincent Hahnen) kennen: Ein pummeliger Klugscheißer mit zu großer Brille, unglücklich verliebt in die Tochter der Lakritzmacher-Familie Maltritz.

Was die Antwort auf jene Frage liefert, die für Drehbuch-Autor Thorsten Wettcke am Beginn der Arbeit stand: „Gab es ein Ereignis in seinem Leben, das ihn zu diesem liebenswert narzisstischen Ekelpaket werden ließ?“

Auch der Kommissar verschließt sich nicht Boernes Ausflügen in die Vergangenheit. Er „kramt mit Professor Boerne in Kisten mit Erinnerungsstücken aus dessen Kindheit und Jugend. Auf welche Geheimnisse des Herrn Professors stößt man da? Vor allem auf seine Leidenschaften. Aber man erfährt auch, der Professor hatte schon früh Leichen im Keller, oder besser gesagt, ganz im Gegenteil“, erklärt Prahl. Es ist also fast so wie immer: skurril, verworren, witzig.

Und Thiel selbst? Der hat es nicht leicht – mit dem Fall, aber vor allem nicht mit sich. „Wir lernen ihn von einer ganz neuen Seite kennen, mit Frühsport und gesunder Ernährung. Wie bekommt ihm das? Dem Körper sicher ganz gut, der Seele zunehmend weniger.“

Regisseur Randa Chahoud outet sich schließlich als Fan seiner Figuren: „Das Besondere am Münster-,Tatort‘ ist in meinen Augen, dass er einem ganz eigenen Universum entspringt. Außerdem sind Thiel und Boerne wie eine wunderbare Promenadenmischung aus Charlie Kaufman, Kafka und den zwei Alten von der Muppet-Show.“

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