"Soko Donau": Der Nowak ist jetzt Chef – und doch nicht
Die Sonnenbrille steckt im wallenden Haar. Der goldfarbene Opel Commodore B steht in der Einfahrt. Man könnte denken, bei der „SOKO Donau“ hat sich nichts verändert. Aber Helmuth Nowak war fast zehn Jahre weg. Oder um es mit Marius Müller-Westernhagen zu sagen: „Ich bin wieder hier in meinem Revier; war nie wirklich weg, hab mich nur versteckt.“
In Staffel Nr. 20 (ab heute, 20.15, ORF 1) kehrt der Nowak aus Kapstadt zurück und darf sogar den Chefsessel von Oberst Henriette Wolf (Brigitte Kren) einnehmen. Allerdings erst gegen Ende der Staffel. Warum so spät?
Jubiläum
Am Dienstag, 10. März, um 20.15 Uhr in ORF 1 startet „SOKO Donau“ in die Jubiläumsstaffel – mit einer Doppelfolge. Kult-Ermittler Nowak (Gregor Seberg) kehrt in Folge 11 von 13 zurück und wird zum neuen Chef befördert, nachdem sich Oberst Wolf (Brigitte Kren) in die Pension verabschiedet. Es warten komplexe interne Angelegenheiten, frühere Liebschaften, und ein folgenschwerer Lottogewinn. Weiter im Wiener Team: Andreas Kiendl, Martin Gruber, Maria Happel, Lilian Klebow und Max Fischnaller.
Staffelauftakt
Ein älterer Herr wird in der Garage in seinem Oldtimer tot aufgefunden. Die junge Kollegin Amal Thamer (Matea Novak) zeigt sich besonders findig bei der Spurensicherung.
„Wahrscheinlich ist er auf der Rückreise von Südafrika irgendwo stecken geblieben, weil er seinen Pass verloren hat“, sagt Schauspieler Gregor Seberg im Scherz. Darin steckt auch ein bisschen Figurenzeichnung, denn Seberg sieht den Nowak als „Hundling“ und „Schlawiner“. Die Rolle sei anfangs so definiert gewesen, „dass er bei nur ein paar Zentimetern Abweichung die andere Seite betreten hätte. Er ist eine typisch österreichische Figur, die ein bisschen faul ist, auch gerne mal ungerecht und zunächst einmal ,Na geh!‘ sagt.“
Nach Hause kommen
Bei der Rückkehr ins Team sei er „überwältigt und überrascht“ gewesen „von dieser Welle an Zuneigung, die mir entgegengeschwappt ist“. Er habe höchstens mit „ein paar blöden Schmähs“ gerechnet, aber: „Es war so eine Herzlichkeit da. Bei Serien, die so lange gut laufen, gibt es intern eine richtige Harmonie, das mag ich einfach.“ In seiner ersten Szene habe er gleich einmal der Regisseurin mitgeteilt, „dass das anders gehört“. Sophie Allet-Coche habe geantwortet: „Ah, er ist wieder zurück, er weiß natürlich, wie das geht.“ – „Von diesen Vorschusslorbeeren habe ich dann natürlich lange gelebt“, sagt Seberg, der mittlerweile auch Staffel 21 gedreht hat.
Er habe sich auch „als privater Set-Polizist“ betätigt und moniert: „Heast, könnts ihr nicht die Klotüre zumachen?“ Und der Tonmeister habe geantwortet: „Genau so warst du früher auch.“
Es sei „total schräg“, meint Seberg. „Wenn du so was so lange gemacht hast, kennst du die Abläufe und trotzdem ist es neu. Das ist, als ob du auf einem fremden Planeten landest, aber du kennst dort alles. Den Schreibtisch vom Helmuth Nowak habe ich auch gleich erkannt, weil der natürlich nicht so schön geordnet ist.“
Die Chef-Rolle bringt mit sich, dass der Nowak „jetzt schon mehr Bürohengst“ ist. „Der Opel gehört ihm leider nicht mehr, der ist im Außendienst. Es ist natürlich ein Wahnsinn! Die U.S.S. Nowak fährt jetzt mit jemand anderem!“ Als Oberst müsse er jetzt mit einem hochmodernen Dienstauto fahren. Beim ersten Ausprobieren habe er gesagt: „,Was soll ich machen? Der springt nicht an, ich hab eh schon alle Knopferln gedrückt.‘ Bis sie mir nach dem vierten, fünften Versuch klargemacht haben: ,Naja, der läuft schon.‘“
Im Gespräch verschwimmen teilweise die Grenzen, ob Seberg gerade in der Rolle ist oder nicht. Seine neue Rolle werde von den fiktiven Ermittlern jedenfalls unterschiedlich stark respektiert. „Für die Rolle von Martin Gruber, Max Herzog, ist es normal, dass da jetzt ein neuer Chef kommt“, sagt Seberg. Gruber folgte in der Serie auf Sebergs Ex-Kollegen Carl Ribarski (Stefan Jürgens). „Aber die Lilian Klebow sagt als Penny Lanz: ,Jetzt tun wir da aber nicht auf Chef!‘ Natürlich kann er nicht auf einmal ihr Chef sein. Und das passt auch zum Nowak. Er ist zwar Chef, aber er ist kein Chef. Da müsste er charakterlich reif dafür sein, aber das ist er natürlich nicht.“
Weihnachtswunder
Aber zurück zum Schauspieler Seberg. Dieser findet es „schon schade“, dass ihm seine erste TV-Moderation, die ORF-Rätselshow „Clever“, abhandengekommen ist, „weil ich die Vielfalt meines Berufs interessant finde. Kino, TV, Theater, Lesungen, Kabarett, es ist ein wahnsinniges Privileg, dass ich das alles machen darf.“
Wie ein „echtes Weihnachtswunder“ sei für ihn der Erfolg der Bühnenversion des TV-Kulthits „Single Bells“ gewesen, wo er die Erwin-Steinhauer-Rolle des Jo spielt. „Du merkst, dass du so vielen Menschen eine Freude machst“, erzählt er. „Wenn tausend Leute im Publikum sitzen, dann hast du tausend Souffleure. Du kannst gar nicht hängen! Und wenn du dann noch die Erwartungen erfüllen kannst, ist das ein sehr angenehmes Gefühl.“
Eines, das er kommende Weihnachten wieder haben werde – und sogar schon im Juli im Theater im Park. „Im Sommer? Da könnte man ja auch Teil 2 ,Unter Palmen‘ machen“, fragt Ihr Interviewer. Seberg dazu lachend: „Ich glaube, dass diese Tür, die Sie hier gerade aufzumachen versuchen, bereits offen ist.“
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