Kultur | Medien
05.10.2018

„Die Politik nimmt Film nicht ernst“

Er spielt nicht nur „Zerschlag mein Herz“, Simon Schwarz’ erster Film als Produzent, startet in den Kinos.

Nuschelnd, mit Hundeblick und verschmitzt lächelnd schnorrt sich der Rom Pepe durch Wien: „Bitte, Madame, bitte, bitte, danke, alles Gute.“ Um dann das Geld beim brutalen Onkel Rocky abzuliefern. Und nun soll er die junge Marcela, die aus dem gleichen Dorf in der Ostslowakei stammt, anlernen. Die hat Glück, dass Rocky sie nicht auf den Strich schickt, nachdem sich ihr Vater bei ihm verschuldet hat.

Es ist eine fremde Welt mitten in Wien, in die Alexandra Makarovás Spielfilm-Erstling „Zerschlag mein Herz“ führt. Mit Mut zur Originalsprache und Untertiteln wird die Geschichte einer verunmöglichten Liebes zweier junger Roma und deren Suche nach Freiheit erzählt.

„Fast wie Romeo und Julia und doch ganz anders, weil so eine Geschichte nur in dieser Kultur so stattfinden kann. Die ist archaisch, bunt, liebenswert, hat Energie, beinhaltet aber auch Drama, Tragik und Grausamkeit“, erzählt Simon Schwarz dem KURIER. „Dieser Film emotionalisiert und ist emotionsgeladen wie diese Kultur.“

Viele Debüts

Der Schauspiel-Star gibt damit sein Produzenten-Debüt. „Ich bin hineingerutscht. Eigentlich sollte ich einen Kurzfilm mit Laien-Darstellern als Schauspiel-Coach begleiten.“

Nach vielen Mühen an der Förder-Front und intensiven Recherchen ist es ein (finanziell kleiner) Film geworden, der von der Kraft der Bilder und der Authentizität seiner Hauptdarsteller – Simona Kováčová und Roman Pokuta – lebt, deren erste Schauspiel-Erfahrung das war. František Balog, Darsteller des Rocky, ist übrigens der erste und einzige Rom, der in der Slowakei am Staatstheater fix engagiert ist – was „Zerschlag mein Herz“ in die bedrückende Realität zurückführt. „Der Film ist sehr wahrhaftig, aber es ist kein dokumentarischer Film.“

Mit dem Start in österreichischen Kinos ist nach zähem Kampf eine große Hürde genommen. Schwarz: „Ich bin sehr erleichtert, dass wir es irgendwie nun doch geschafft haben.“ Nach und nach kommen nun auch die Festival-Einladungen herein.

Gegenwind

Er habe sich als Produzent „manches einfacher vorgestellt und war erstaunt über den Gegenwind, den ich mancherorts zu spüren bekommen habe. Es war nicht überall willkommen, dass da ein Neuer auftaucht“, räumt der 47-Jährige ein. Es gebe in Österreich eben eine Vielzahl an Menschen mit großen kreativen Potenzial. Aber der Platz am Trog sei ganz klein.

An dem Punkt pocht der Wiener auf die Verantwortung der Politik: „Sie nimmt Film nicht ernst. Dabei ist das die derzeit relevanteste Kulturform. Bewegtes Bild prägt die gesamte Jugend via YouTube, Instagram, Facebook. Deshalb ist die Dotierung der Fördermittel im Vergleich zur Hochkultur unverständlich. Es ist das der Bedeutung von Film nicht angemessen.“

„Zerschlag mein Herz“ hat – wegen geringer Förderungen und trotz vieler Sponsoren – den Neo-Produzenten wirtschaftlich belastet. „Da gehört schon einiges an Leidenschaft dazu, das mitzumachen. Aber ich leide nicht darunter. Ganz im Gegenteil“, betont Schwarz, der auch künftig als Produzent wirken will.

Seit dem Abschluss der Dreharbeiten steht er nun selbst laufend vor der Kamera. Heute, Freitag, ist er in einer Folge der erfolgreichen „Eifelpraxis“ (20.15, ARD) zu sehen, in der einen eher unkonventionellen Arzt im Rollstuhl spielt. Aktuell dreht einen weiteren, der erfolgreichen „Essensfilme“ nach Rita Falk: „Leberkäsjunkie“. „Die Resonanz des Publikums ist großartig. Es hat mich gelehrt, dass das Kino auch in ländlichen Regionen von großer Bedeutung ist. Heuer haben wir den Herrn Tom Cruise recht schnell von Platz eins geholt. Das zeigt, dass der deutschsprachige Film auch gegen US-Ware bestehen kann.“

INFO

Premieren in Anwesenheit von Regisseurin Alexandra Makarová und Produzent Simon Schwarz:
So 7. Oktober, 17.00 Topkino Wien (Publikumsgespräch)
Mo 8. Oktober, 18.00 Moviemento Linz, 20.00 Localbühne Freistadt (Publikumsgespräch)
Mi 10. Oktober, 19.45 Starmovie Ried (Publikumsgespräch)
Sa 13. Oktober, 20.10 Leokino Innsbruck (Publikumsgespräch)
Mo 15. Oktober, 20.15 Das Kino Salzburg (Publikumsgespräch)