"Proksch-Jäger" Freihofner ist mit 73 Jahren gestorben

© Österr. Cartellverband

Nachruf
10/23/2019

"Proksch-Jäger" und Aufdeckerjournalist Gerald Freihofner gestorben

Der ehemalige "Wochenpresse"-Redakteur war in 1970er- und 1980er-Jahren an Enthüllung zahlreicher Skandale beteiligt.

Gerald Freihofner, ehemaliger Aufdeckerjournalist und langjähriger Präsident des Friedrich Funder-Instituts, ist am Montag mit 73 Jahren gestorben. Freihofner zählte neben Alfred Worm zu den Begründern des Investigativjournalismus in Österreich und war federführend an der Enthüllung der Lucona-Affäre rund um den legendären Club 45 und Udo Proksch beteiligt.

Freihofner wurde am 30. Juni 1946 in Steyr in Oberösterreich geboren. Er startete seine journalistische Laufbahn bei diversen Schülerzeitungen, engagierte sich in der Hochschülerschaft und trat 1974 in die innenpolitische Redaktion der "Wochenpresse" ein, wohin er damals vom späteren ORF-Reporter und "Kurier"-Chef Peter Rabl geholt worden war.

In der "Wochenpresse" erarbeitete sich Freihofner in den 1970er- und 1980er-Jahren einen Ruf als hartnäckiger Aufdecker. Mit akribischer Recherche und gründlichem Detailstudium trug der bürgerlich-liberale Journalist zur Aufklärung einer ganzen Reihe von Affären bei: Rinter-Zelt, Bauring, AKH, WBO, Consultatio-Androsch, Lucona. Seine Artikel rund um den Sechsfach-Mord in der Lucona-Affäre brachten ihm in der Branche den Titel "Proksch-Jäger Nr. 1" ein.

Journalisten-Ausbildner und Kolumnist

Freihofner stieg in der "Wochenpresse" rasch zum Innenpolitik-Ressortleiter auf, ab 1982 wurde er auch stellvertretender Chefredakteur. 1991 verließ er das Magazin, weil er mit der Änderung der Blattlinie vom Nachrichtenmagazin zum Wirtschaftsblatt nicht mitwollte. Freihofner arbeitete in der Folge für verschiedene Fachmagazine, unter anderem war er Chefredakteur des Branchenblattes "Der Journalist" oder Herausgeber der "Academia", der Zeitschrift des Österreichischen Cartellverbandes, dessen Mitglied er war. Von 2006 bis 2009 verfasste er eine regelmäßige Kolumne in der "Wiener Zeitung".

Daneben widmete sich Freihofner mit Verve der Journalistenausbildung. Von 1996 bis 2010 war er Präsident des Friedrich Funder Instituts (FFI) und gab dort seine Erfahrungen an Jungjournalistinnen und -journalisten weiter. Der aktuelle FFI-Präsident Gerald Grünberger würdigte Freihofner am Dienstag "als kämpferischen Investigativjournalisten mit einem umfangreichen Erfahrungsschatz, der mehrere Generationen von Journalistinnen und Journalisten sowie Medienmachern begeisterte".

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