Charismatischer Kerl mit dunklem Geheimnis: Manuel Rubey

© Hendrik Heiden/ZDF

TV-Tipp
11/11/2019

Manuel Rubey: "Plötzlich hat man eine Arschkarte gezogen"

Im hochklassig besetzten, kammerspielartigen ZDF-Thriller „Irgendwas bleibt immer“ (Montag, 20.15) geht es um Intrige, Vertrauen, Wahrheit.

von Marco Weise

Zuerst ist „Irgendwas bleibt immer“ (Montag, ZDF,20.15) (fast) eine klassische Liebesgeschichte: Nina (Lisa Maria Potthoff), Ärztin und alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, lernt während einer Zugfahrt den charismatischen Mark (Manuel Rubey) kennen. Aus dem Flirt wird schnell etwas Ernstes. Endlich hat Nina wieder einen Mann in ihrem Leben, nachdem sie vor drei Jahren von ihrem Partner (Christian Heiner Wolf) für eine jüngere Frau verlassen wurde.

Danach geht alles seinen gewohnten Lauf: Nina stellt ihre neue Liebe den Kids und bei einem Abendessen den befreundeten Nachbarn, Melanie (Ulrike Krumbiegel) und Andreas (Justus von Dohnányi), vor. Mark zieht auch bald bei Nina ein. Es geht zwar vielleicht alles etwas schnell, funktioniert aber wunderbar.

Dann folgt die große Wendung in diesem anfangs an eine Romanze erinnernden Fernsehfilm. Denn Nachbar Andreas stellt über Mark, den vermeintlichen Landschaftsarchitekten, Nachforschungen an – und findet den Namen nicht im Internet. Das genügt mittlerweile, um verdächtig zu sein.

Andreas lässt und lässt nicht locker, bohrt nach. So sieht sich Mark gezwungen, Nina seine dunkle Vergangenheit anzuvertrauen. Und die hat es in sich, spricht eine eindeutige Sprache – und zwar gegen eine Beziehung. Denn Mark heißt eigentlich Dominik und war vier Jahre im Gefängnis, weil er seine Freundin im Affekt erschlagen hat. Diese Nachricht, diesen Vertrauensbruch muss Nina erst mal verarbeiten. Aber nach dem Motto „Jeder hat eine zweite Chance verdient“ lässt Nina sich weiter auf ihn ein. Beziehungsstatus: Es ist kompliziert.

Als dann plötzlich die Leiche der Nachbarin im nahe gelegenen Wald gefunden wird, kippt endgültig die Stimmung. War’s Mark – Pardon! – Dominik?

Aus dem Rennen

Hat sich Nina in ihm gewaltig getäuscht? Kann man einen Mörder lieben? Kann ich jemandem, der bereits im Gefängnis war, noch vertrauen? In „Irgendwas bleibt immer“ sind diese Fragen omnipräsent. Für die deutsche Schauspielerin Lisa Maria Potthoff geht es dabei in erster Linie um Vertrauen. „Und mit Vertrauen oder Misstrauen, Verrat oder Verlust und der Angst vor diesen muss sich jeder Mensch befassen.“

Für Manuel Rubey geht es darüber hinaus auch um die Zumutbarkeit der Wahrheit: Wie ehrlich ist man beim ersten Date? Wie verhält man sich, wenn man eine neue Person kennenlernt und sich in diese verliebt? Verschweigt man da wichtige Brocken aus seinem Leben, um sich nicht gleich aus dem Rennen zu nehmen? Oder konfrontiert man jemanden gleich mit der Wahrheit, und riskiert damit ein schnelles Ende?

„Diese Fragen sollte sich jeder einmal stellen“, sagt Manuel Rubey zum KURIER. Denn die soziale Ausgrenzung kann jeden treffen: „Es muss ja nicht ein Verbrechen sein, das man begangen hat, um stigmatisiert und von der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden. Oftmals kommen Menschen nach einer Scheidung aus dem Gleichgewicht und in eine Abwärtsspirale. Plötzlich hat man eine Arschkarte gezogen, die man schwer wieder loswird.“

Regisseur Thomas Kronthaler siedelt das Drehbuch von Claudia Kaufmann irgendwo zwischen Thriller und Kammerspiel an. Es geht um Intrige, Lüge und Wahrheit. „Der Krimi-Handlungsstrang innerhalb der Geschichte wäre meiner Meinung nach gar nicht nötig gewesen, aber das ist auch schon mein einziger Kritikpunkt an dem Film“, sagt Rubey, der sich im Gespräch als Fan von Lisa Maria Potthoff outet: „Ich halte sie für eine sehr talentierte und humorvolle Schauspielerin. Wir würden auch gerne ein weiteres gemeinsames Projekt angehen und haben dazu bereits mit einigen Autoren gesprochen. Uns schwebt eine Art ,Catastrophe‘ (britische Sitcom, Anm.) für den deutschsprachigen Raum vor“, sagt Rubey. Der muss aber zunächst noch an seinem ersten Solo-Kabarettprogramm „Goldfisch“ feilen. Premiere: 9. Jänner im Stadtsaal Wien.

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