Behörde: ORF brachte verzerrende "Weltjournal"-Sendung über Gaza-Krieg
Der ORF hat mit der 2024 ausgestrahlten "Weltjournal"-Sendung "Gaza-Krieg - Hölle auf Erden" laut einem noch unveröffentlichten Bescheid der Medienbehörde KommAustria gegen das Objektivitätsgebot des ORF-Gesetzes verstoßen. Das berichten Presse und Standard. Die Entscheidung ist nicht rechtskräftig. Denn der ORF hat Beschwerde dagegen eingelegt, bestätigte das öffentlich-rechtliche Medienhaus der APA. Darüber hinaus wolle man das laufende Verfahren nicht kommentieren.
Fehlende Kontextualisierung
Die israelitische Kultusgemeinde (IKG) ist gegen die Sendung vorgegangen, da sie ihres Erachtens Lügen der Terrororganisation Hamas verbreite und so zu einer judenfeindlichen Stimmung in Österreich beitrage. Die KommAustria stellte nun fest, dass es etwa eine fehlende Kontextualisierung der durch die Sendung führenden Protagonistin Hind Khoudary hinsichtlich ihrer öffentlich geäußerten Sympathie für die Hamas und ihrer Ablehnung des Existenzrechts des Staates Israel gebe. Auch fehle die israelische Sichtweise in Bezug auf die Behauptung, Israel habe einen Flüchtlingskonvoi angegriffen. Eine getätigte Übersetzung von "Jude" zu "Israeli" verzerre zudem den Eindruck des Gesprochenen und verschleiere Antisemitismus.
ORF: Beitrag zur Meinungsvielfalt
Der ORF hatte einst betont, dass die zugekaufte Sendung sorgfältig überprüft worden sei. Zudem stelle "Gaza-Krieg - Hölle auf Erden" einen Beitrag zur Meinungsvielfalt bei, da einer Vielzahl von Programmen aus israelischer Sicht nur wenige Produktionen, die im Gazastreifen selbst gedreht wurden, gegenüberstehen.
IKG-Präsident Oskar Deutsch sah in der KommAustria-Entscheidung einen "ganz wichtigen Erfolg", wie er gegenüber der "Presse" festhielt. Die seriösen ORF-Journalistinnen und -Journalisten hätten es sicht nicht verdient, dass deren Arbeit durch "solche Sendungen beschädigt" werde.
Einen ähnlichen Fall gab es in Großbritannien im Vorjahr. Die Medienaufsichtsbehörde Ofcom verurteilte die BBC wegen einer "irreführenden" Gaza-Dokumentation. Der Erzähler der Sendung hatte sich im Nachhinein als Sohn eines ehemaligen Vizeministers der Hamas herausgestellt. Die BBC hatte die Entscheidung der Ofcom akzeptiert und um Entschuldigung gebeten.
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