Kultur | Medien
09.08.2018

Impulstanz: Mit Highspeed durch die Welten

Kritik: Simon Mayers „Oh Magic“ als betörend-verstörendes Gesamtkunstwerk bei ImPulsTanz

Ein kleiner Scheinwerfer blickt fragend ins Dunkel der Bühne und in den Zuschauerraum. Nach und nach gehen die Lichter an. Ein Klavier, ein Schlagwerk, eine Soundanlage – also ein klassisches Konzertsetting ist auf der Bühne des Volkstheaters zu sehen. Nur: der Scheinwerfer entpuppt sich als Roboter; sein Kollege ist ein wandelndes Mikro. Und los kann es gehen mit „Oh Magic“, der neuen Arbeit des Österreichers Simon Mayer.

Doch was so freundlich-zart beginnt, wird schnell zu einem rasanten musikalisch-körperlichen Treiben. Harte Beats, zarte Tastenklänge live oder vom elektronischen Klavier gespielt, Schlagzeug-Soli wieder live und technisch geriert, Stimmengewirr und fröhliche Nacktheit. Denn Mayer und seine fabelhaften Mitstreiter ( Tobias Leibetseder, Patric Redl und die klassische ausgebildete Pianistin Clara Frühstück) lassen bald alle Hüllen fallen – ein orgiastisch-archaischer, auch schamanisch-kluger Highspeed-Diskurs zwischen Körper und Klang, zwischen humaner und künstlicher Intelligenz beginnt. Ohne Tabus, voller Energie und mit einer großartig überbordenden Licht- wie Soundkulisse (Musik: Mayer) – überraschende Liebesakte inklusive.

Wenn Roboter tanzen

In Soli und Duetten, in gruppenhaften, ekstatischen Ritualen beschwören die Performer in all ihrer Meisterschaft ein Konzert der Sinne, ein Gesamtkunstwerk aus allen Genres. Im Hintergrund steuert Manuel Wagner, die Roboter, die zu gleichberechtigten Partnern mit Eigenleben werden.

Wenn etwa Clara Frühstück mit dem elektronischen Klavier ein Duett spielt, später dann nackt auf dem Rücken liegend nur mit den Zehen weiterspielt oder über die Klaviatur läuft, sind das Momente voller Poesie. Ganz am Ende wird sie ins Innere des Klaviers klettern, den Flügel schließen und sich ganz dem Schutz ihres Instruments ausliefern.

Mayer wiederum hat ein herrliches Rendezvous mit dem am menschlichen Körper interessierten, fahrenden Mikro. Redl hingegen liefert sich mit dem widerspenstigen Schlagwerk ein an die Rolling Stones gemahnendes Duell, und Leibetseder steuert ein gehörige Prise radikalisierter Esoterik bei.

Das Universum als elementarer Erfahrungsprozess auf allen Ebenen. Grandios! Absolute Suchtgefahr!