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Kultur Medien
06/24/2019

Schmidt: Böhmermann mehr "Krawallschachtel" als Moderator

Late-Night-Legende Harald Schmidt meint, dass TV-Satiriker Jan Böhmermann nicht fürs Moderieren geeignet sei.

Der ehemalige Late-Night-Moderator Harald Schmidt hält nicht viel von seinem Kollegen Jan Böhmermann. "Ich wusste schon früh, dass es Böhmermann als Moderator nie schaffen würde - aber dass er es als Krawallschachtel sehr weit bringen würde, wusste ich auch", sagte Schmidt im Videogespräch mit der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten.

Böhmermann, der seit 2015 das für das ZDF das "Neo Magazin Royale" moderiert, sammelte demnach seine ersten Fernseherfahrungen bei Schmidt. Von 2009 bis 2012 sei er ständiger Gast in dessen Show gewesen - zunächst in der ARD, später dann bei Sat1.

"Beim ZDF kotzt man im Strahl"

Was Schmidt nicht daran hindert, scharfe Kritik an Böhmermann zu üben. Er äußert in dem Interview die Vermutung, dass das ZDF nicht immer glücklich mit Böhmermanns Skandalen ist. Schmidt: “Ich glaube, man wäre ihn dort gerne los. Ich glaube, dass man dort im Strahl kotzt, wenn man sieht, welchen Ärger er wieder einbringt."

Warum Böhmermann dennoch weiterhin beim Öffentlich-Rechtlichen auf Sendung ist, dafür hat Schmidt folgende Erklärung: "Irgendein Medienmensch wird gesagt haben: Passt mal auf, der lässt euch jung aussehen, der sorgt für Klicks und Randale in den Netzwerken, der hat eine große Medienpräsenz. Lasst den doch mal weiterzappeln.”

Das große Geld beim ZDF verdiene aber weiterhin Markus Lanz, der Abend für Abend im Hauptprogramm zu sehen sei, während sich Böhmermann im Off abstrample. Schmidt: "Als Marxist muss ich sagen, es zählt nur eines: Man muss die Produktionsmittel in die Hand kriegen. Sonst bleibt man Tagelöhner.“ Schmidt spielt darauf an, dass Böhmermann nur einmal pro Woche im Nebensender ZDF neo auf Sendung ist.

Auch für den Youtuber Rezo, der mit seinem 55-minütigen Video "Die Zerstörung der CDU" bei den etablierten Parteien Sorge ausgelöst hat, hat Schmidt abfällige Worte parat. "Es ist unfassbar schlecht von der Performance", klagte Schmidt. Das Video bestehe nur aus "Hey Leute, ich hab für euch das gecheckt' und lol und duff und Lolli." Der Informationsstand sei dabei mit dem Altpapier-Reservoir der Stuttgarter Zeitung aus dem Jahr 1904 vergleichbar. Und dennoch "drehe alle Welt in diesen Parteien durch". Das Resümee des Altmeisters: "Diese selbsternannten Volksparteien haben nicht begriffen, dass sie eh keinen erreichen aus dieser Generation."