Ex-Kommunikationschef Pius Strobl leitet seit eineinhalb Jahren das Bauprojekt Küniglberg.

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Kultur Medien
02/16/2022

Grüne Flüsterdiplomatie vor der Posse um die Impflotterie

Bei der Spurensuche nach Verantwortlichen für den Bauchfleck der Regierung zeigen viele auf einen: ORF-Mann Pius Strobl

von Philipp Wilhelmer

Kanzler Karl Nehammer hat imagemäßig in kurzer Zeit zwei Mal veritabel einen Bauchfleck hingelegt. Zweimal im Zusammenhang mit dem ORF. Zweimal spielte ein ORF-Mann mit vielen Hüten eine Hauptrolle: Pius Strobl. Er leitet im ORF das Humanitarian Broadcasting, ist Projektleiter Medienstandort und Sicherheitschef. Ein Mann für alle Fälle.

So verantwortete er die „Licht ins Dunkel“-Gala, die im November-Lockdown für Negativschlagzeilen sorgte: Eine schunkelnde Regierungsspitze, Handyfotos von einer Art Afterparty: Der Skandal war perfekt. Mitschunkelnd im Bild: Pius Strobl. Organisator: Strobl.

Als die Regierung am 20. Jänner ihr Paket zur Impfpflicht um eine Impflotterie für eine Milliarde Euro versüßte, verkündete sie, der ORF werde das umsetzen. Der hatte im Herbst eine eigene Impflotterie abgehalten (organisiert: von Strobl).

Wie sich zeigte, war der Regierungsauftrag weder gesetzlich noch imagemäßig für den ORF möglich. Nach dreieinhalb Wochen erfolglosen Ringens wurde die Idee begraben. Kanzler Karl Nehammer schob den Ball der SPÖ zu, die wehrte sich erbost.

Unbeleuchtet

Die grüne Komponente der Blamage blieb in dem öffentlichen Streit unbeleuchtet. Und auch hier taucht der Name Strobl auf. Der frühere Grünen-Politiker und Berater, der unter Generaldirektor Alexander Wrabetz ORF-Karriere machte, soll in- und extern heftig für eine Umsetzung lobbyiert haben.

Hat er der Regierung zuviel versprochen? Am Vortag des 20. Jänner läutete das Telefon von ORF-Generaldirektor Roland Weißmann. Am anderen Ende war der Kabinettschef von Klimaschutzministerin Leonore Gewessler, Felix Ehrnhöfer, auf Vermittlung von Strobl. Ziel des Gesprächs war dem Vernehmen nach, den ORF für die Lotterie zu gewinnen. Weißmann meldete Bedenken an.

Umso überraschter war man, als die Regierung am nächsten Tag trotzdem den ORF als Wunschpartner aus dem Hut zog. Der schaltete fortan auf stur. Strobl wurde pro forma in ein Projektteam mit dem Kabinett von Nehammer entsandt, das den ohnehin unrealistischen Projektplan abstecken sollte, sofern das die Rechtslage hergeben würde. „Der Pius war schon massiv dahinter“, erzählt ein Involvierter. Er habe mit dem Argument geworben: „Wir müssen der Regierung helfen, wir wollen schließlich ein Gesetz.“

Strobl gilt auch unter Kritikern als „unbestritten guter Projektmanager“, der den Bau managt, den Song Contest organisierte und Corona-Bestimmungen durchboxte. Mit der Ära Wrabetz dräut nun auch sein Abgang. „Es macht Sinn, dass er den Bau in rund zweieinhalb Jahren abschließt und dann trennt man sich von ihm“, heißt es von berufener Stelle. Wer Strobl kennt, weiß, dass das ein Auftrag für erneutes Lobbying ist.

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