Der alte "Bulle" und der junge Arzt: Juergen Maurer, Matthew Beard

© MR Film/Petro Domenigg

Kultur Medien
08/19/2019

BBC kauft internationale ORF-Co-Produktion "Liebermann"

Deal. Für das "CSI der Jahrhundertwende", international als "Vienna Blood" vermarktet, laufen auch Gespräche für den US-Markt.

von Christoph Silber

Das Wien der Jahrhundertwende hat international immer noch viel Anziehungskraft: Noch bevor die erste Folge irgendwo öffentlich zu sehen war, hat die BBC die in Österreich produzierte internationale Co-Produktion „Lie- bermann“, an der auch der ORF beteiligt ist, erworben.

Der auf den Bestsellern des britischen Autors und Psychologen Frank Tallis basierende Mehrteiler, der als „Vienna Blood“ international vermarktet wird, wurde im Herbst des Vorjahres von Robert Dornhelm („Maria Theresia“) bzw. Umut Dag („Risse im Beton“) inszeniert.

Die ihrem Ende entgegendämmernde Donaumonarchie liefert den Hintergrund für die Geschichten um den jungen Arzt und Psychoanalytiker Max Liebermann. Er unterstützt mit unkonventionellen Methoden die Ermittlungen von Inspektor Rheinhardt in sehr speziellen Kriminalfällen. In den Hauptrollen der englischsprachigen Produktion sind als „Bulle“ Juergen Maurer und Matthew Beard („The Imitation Game“) zu sehen.

Vienna Blood

Wien fasziniert schon immer mit dem goldenen Zeitalter. Statt Kaiser oder Könige, Glanz und Glamour zeigen wir aber eine andere moderne Seite der Stadt. ,Sherlock‘-Autor Steve Thompson hat da ein CSI der Jahrhundertwende geschaffen“, sagt Oliver Auspitz, Produzent der Wiener MR Film, die gemeinsam mit Red Arrow Studios International und Endor Productions hinter „Vienna Blood“ steht.

„Diese Entscheidung der BBC, die ja für sich schon für einen hohen Qualitätsanspruch steht, adelt diese Produktion, die zu einer Blaupause für eine künftige Zusammenarbeit von Österreich, Deutschland und Großbritannien werden kann“, deutet Auspitz eine mögliche Fortsetzung an. Wobei der Vermarktungserfolg – es laufen noch Gespräche mit einem großen US-Network – auch der Form des TV-Mehrteilers geschuldet ist. „Abgeschlossene, 90-minütige High-Quality-Dramen erlauben Sendern hohe Flexibilität bei der Programmierung.“

Senderseitig involviert ist bei „Liebermann“ neben dem ZDF der ORF. „Das ist ein großer Erfolg und Beweis, dass österreichische Geschichten mit österreichischer Weltklasse vor und hinter der Kamera am internationalen Markt sehr begehrt sind und für die nationale Kulturleistung Film ein starker öffentlich-rechtlicher Rundfunk unerlässlich ist“, erklärt ORF-Chef Alexander Wrabetz.

Internationale Produktionsallianzen würden fürs heimische Filmschaffen immer wichtiger. „Der ORF übernimmt in diesem Content-Produktionsprozess, der das österreichische Kulturgut Film zukunftsfit weiterentwickelt, sowohl im Kreativen als auch im Finanziellen eine strategische Schlüsselrolle“, meint Wrabetz.