ARD und ZDF kämpfen mit Vertrauensverlust

Falsch verwendete Bilder von Angela Merkel, Nachrichten-Sequenzen, die mit KI erzeugt wurden - ZDF und ARD stehen in der Kritik.
Angela Merkel klatscht bei einer Veranstaltung Beifall.

Das deutsche öffentlich-rechtliche TV kommt dieser Tage aus dem Erklärnotstand nicht heraus. Am 22. Februar lief im ARD-Nachrichtenmagazin „Bericht aus Berlin“ ein Beitrag über den CDU-Parteitag in Stuttgart. Darin war Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel zu sehen, wie sie Friedrich Merz zur Wahl zum Parteivorsitzenden applaudierte. Nur war Merkel zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr anwesend. Die gezeigte Situation hat also nie stattgefunden. Die ARD hat den fehlerhaften Beitrag nachträglich geändert und sich entschuldigt. In der Mediathek findet sich unter der entsprechenden Folge nun eine Erklärung, dass das entfernte Bild früher entstanden ist. Das Bild der klatschenden Merkel sei aber echt gewesen, betonte eine ARD-Sprecherin gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Das Wasser auf die Mühlen von ohnehin immer „Fake News“ vermutenden ÖRR-Kritikern konnte sie aber nicht mehr aufhalten.

Abgeführte Kinder aus der KI

Dafür trägt wohl zu einem Gutteil das ZDF die Verantwortung. Die Panne mit Merkel kommt zu einem denkbar ungünstigen Moment. Hatte doch im ZDF zuletzt die Nachrichtensendung „heute journal“ für Aufregung gesorgt. In einem Beitrag über die Taktiken der US-Einwanderungsbehörde ICE wurde KI verwendet, ohne dies zu kennzeichnen. In der ursprünglichen Fassung des Beitrags war eine Szene zu sehen, in der eine Frau und zwei Kinder auf einer Straße von Einsatzkräften abgeführt werden. Dies Szene stammte von der Künstlichen Intelligenz.

Dazu kam, dass ein weiteres Video gezeigt wurde, das die Festnahme eines zehnjährigen Jungen im US-Bundesstaat Florida zeigt. Der Vorfall ereignete sich aber nach Recherchen des dpa-Faktencheck-Teams im Jahr 2022 im Zusammenhang mit einer angedrohten Gewalttat an einer Schule.

Journalistin abgesetzt

Das ZDF hat den Beitrag aus der Mediathek entfernt und sich entschuldigt. Die Korrespondentin Nicola Albrecht wurde von ihrem Posten in den USA abgezogen, aber nicht gekündigt. Das ZDF hielt am Montag eine außerordentliche Mitarbeiterversammlung ab, bei der mehr als 1000 ZDF-Beschäftigte zugeschaltet waren. Gegen die Beteiligten wurden arbeitsrechtliche Schritte angestrengt, als Hauptverantwortliche nannte Chefredakteurin Bettina Schausten Korrespondentin Albrecht. Der Vertrauensverlust für ein angesehenes Medium wie das ZDF ist dramatisch, eine Redakteurin sprach von einem „Relotius-Moment“. Die Landesregierung Hessen, die die Rechtsaufsicht über das ZDF hat, forderte eine Aufarbeitung.

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