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Comics
02/08/2015

Die Zukunft der Superhelden

In einem Prachtband blickt Marvel auf 75 Jahre zurück. Die neuen Helden sind anders.

von Marco Weise, Georg Leyrer

1941 brauchte die Welt Superhelden. Captain America zum Beispiel. Auf dem Titelbild der ersten Ausgabe verpasste dieser, im hautengen Nationalflaggen-Dress, Adolf Hitler einen Kinnhaken.

Das war hochaktuell, unmittelbar vor Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg. Mit dieser Verbindung von Alltag und Superkräften stellten die Comic-Zeichner im Team von Verleger Martin Goodman die traditionelle Fantasy-Literatur auf den Kopf.

Das erste Goldene Zeitalter von Marvel begann. In den Fünfzigerjahren war der Hype dann wieder verflogen. Es folgte eine Geschichte mit Höhen und Tiefen, nachzulesen im Fertigteilhauswand-dicken Prachtband "75 Jahre Marvel".

Im 100-Jahr-Band werden wohl auch die 2010er-Jahre zum "Goldenen Zeitalter" ausgerufen werden. Denn so präsent (und so lukrativ) wie derzeit waren die Superhelden schon lange nicht mehr. Nach der Übernahme des Marvel-Universums durch Disney um vier Milliarden Dollar (2009) setzt der Konzern "verstärkt auf die Vermischung aller Medien – Film, Comic, Videospiel etc. –, um einen maximalen Gewinn zu erzielen", sagt Johannes Seybert, Comic-Experte der Fan-Messe "ViennaComix", im KURIER-Gespräch.

Mit Erfolg: Nach Bekanntgabe der Marvel-Filmpläne für die nächsten Jahre kletterte die Disney-Aktie im Oktober 2014 um zwei Prozent nach oben.

"Wir haben höllisch viel Arbeit vor uns", sagte der Präsident der Marvel Studios, Kevin Feige. Zehn Blockbuster-Filme hintereinander hat Marvel seit 2008 veröffentlicht und damit sieben Milliarden Dollar Einnahmen erzielt. Und es ist kein Ende abzusehen: In den nächsten sechs Jahren veröffentlichen Marvel und Konkurrent DC Comics insgesamt unglaubliche 40 Superhelden-Filme. "Wir machen dort weiter, wo die Fans uns sagten: Das macht ihr richtig", sagt Feige.

Die Filmschwemme ist nicht zuletzt auch den neuen technologischen Möglichkeiten zu verdanken: Marvel visualisierte bis in die späten 80er-Jahre Träume und Fantasien auf Papier. Damit hielt lange kein anderes Medium mit – auch das Kino nicht, das nur mit Abstrichen die bewegenden Geschichten nacherzählen konnte. Jetzt hat das digitale Kino selbst Superkräfte entwickelt. Und will neue Geschichten erzählen. Dafür setzen die Marvel-Macher wieder auf die Verbindung von Alltag und Superhelden. Nur: Dieser Alltag hat sich rasant verändert.

Und so braucht es auch neue Helden – nicht zuletzt, um neue Märkte zu erschließen. So präsentierte Marvel am Freitag ein komplett weibliches Avengers-Team, die "A-Force", mit u.a. einem weiblichen Hulk. Nach dem Tod von Peter Parker ist der generalüberholte Spiderman ein afroamerikanischer Hispanic. Und die neue "Ms. Marvel" eine pubertierende muslimische Migrantin in den USA, die über Wunderkräfte verfügt. Die Erwartungen an das kleine Mädchen mit dem großen "S" auf der Brust sind hoch.

Marvel will mit den neuen Helden an frühere Zeiten anknüpfen. An die Höhenflüge in den 60er- und 70er-Jahren, als Kreativchef Stan Lee mit legendären Zeichnern wie Jack Kirby und Steve Ditko zahlreiche neue Charaktere schuf: The Fantastic Four, Spiderman, Iron Man, X-Men und das grüne Monster Hulk, das in Heft eins übrigens noch grau war.

Und die Hefte?

Die Heft-Verkaufszahlen sind bei den Superhelden hingegen rückläufig – anders als etwa bei "Micky Maus, die konstant das Niveau hält", schildert Seybert. Immer mehr Verlage, darunter Marvel, bieten ihre Veröffentlichungen auch online zum Lesen oder Anlesen an. "Meine absolute Lieblingsseite ist ,Wormworld Saga‘ (www.wormworldsaga.com)", schwärmt Seybert.

Tipp: Der Bildband zum 75. Geburtstag (Taschen Verlag) wiegt acht Kilo. Auf 750 Seiten werden mit 2000 Bildern gute und schlechte Zeiten dokumentiert. Preis: 150 Euro.

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