Kultur 11.05.2018

"Manche ließen alles hinter sich": TV-Abend zu 70 Jahre Israel

© Bild: ORF/ORF/Trilight Entertainment/u jürgens

Im Mai 1948 wurde der Staat Israel ausgerufen. ORF III erinnert am Samstag an Österreicher, die das Land mit aufbauten.

Als Ari Rath 1938 von Wien nach Palästina floh, nahm er sein Fahrrad mit. Zuvor hatte es sein Freund Walter, der in der Hitlerjugend war, beschlagnahmt – vor der Flucht bekam es der damals 13-Jährige Rath aber wieder zurück.

„Es war sicherlich das einzige Fahrrad im Land Israel, das auch in der Hitlerjugend gedient hatte“, erinnert sich der mittlerweile verstorbene Journalist Ari Rath in „Zufluchtsort Israel – Österreichische Emigration nach Palästina“ an seinen Neuanfang in dem bis dato für ihn unbekannten Land. Die Dokumentation wird morgen, Samstag, (20.15) im Rahmen des ORF-Programmschwerpunkts „70 Jahre Staatsgründung Israel“ auf ORF III gezeigt. 

Porträtiert werden darin Österreicher, die den Staat Israel mitgeprägt haben, der 1948 ausgerufen wurde. Manche waren aus Überzeugung gekommen, andere, weil sie keine Wahl hatten. Archivaufnahmen wie Gespräche zeichnen die persönlichen Geschichten nach – und zeigen, dass das Einleben in der neuen Heimat nicht immer einfach war. 

Zufluchtsort Israel - Österreichische Emigration nach Palästina
© Bild: ORF/ORF/Trilight Entertainment/u jürgens

Tabu Sprache

Ob Kleidung oder Sprache – die europäischen Wurzeln sah man vielen an. Deutsch zu sprechen, galt als Tabu. „Manche ließen alles hinter sich und gaben sich vollständig der Idee des Staates Israel hin, andere passten sich an, lebten aber trotzdem nach ihren alten Traditionen“, so die Regisseurin Uli Jürgens. Viele kamen mit „völlig unterschiedlichen Einstellungen und Erwartungen in das damals arme und staubige Land.“

Zu Wort kommen in der an Information dichten Dokumentation auch Angehörige, Osnat Kollek erzählt etwa von ihrem Vater Teddy Kollek, der heute als Begründer des modernen Jerusalem gilt – 28 Jahre lang war er Bürgermeister der Stadt. 

Fredi Dagan kann hingegen von seinen eigenen Migrations-Erfahrungen berichten: Mit 18 Jahren war er allein nach Israel gekommen, um in einem Kibbuz zu leben – dort brachten ihm Kinder nach und nach Hebräisch bei.

Konfliktreiches Land

Israel war und ist ein Einwanderungsland, auf Kosten anderer Völker gebaut und mit damals wie heute ungelösten Problemen – dennoch ein Sehnsuchtsort der Jüdinnen und Juden, bunt, modern und zukunftsweisend“, meint Jürgens. Diesen Problemen widmet sich der morgige Themenabend direkt im Anschluss an ihren Film. 

Um 21 Uhr zeigt ORF III den Zweiteiler „Israel – Geburt eines umkämpften Landes: Ein Staat entsteht“. Darin werden die ersten zwei Jahrzehnte des Hebräischen Staates, von der Gründung  bis zum Sechstagekrieg, rekapituliert. 

Die ebenfalls zweiteilige Doku „1973. Jom Kippur. Ein Krieg im Oktober“ beleuchtet um 22.50 Uhr den arabisch-israelischen Krieg im Jahr 1973 – in Israel wird er Jom-Kippur-Krieg genannt, auf arabischer Seite Oktober- oder Ramadankrieg. Archivaufnahmen dokumentieren  unter anderem die Beweggründe der beiden Staats- und Regierungschefs, die ihre Länder damals in den Krieg führten: Golda Meir und Anwar el Sadat. 

Auch Ö1 widmet sich dem Themenschwerpunkt: Am Sonntagvormittag (9.05 Uhr) spricht der israelische Journalist Uri Avnery über sein Engagement als Friedensaktivist,  um 10.05 Uhr unternimmt die Sendung „Ambiente“ einen Spaziergang durch Süd-Tel Aviv.

( kurier.at ) Erstellt am 11.05.2018