"Lysistrata" im Kasino: Harte, höhö, Tage für den Frieden

Frieden durch Sex-Entzug, kann das funktionieren? Aristophanes' Komödie "Lysistrata" mit Mavie Hörbiger im Burgtheater Kasino.
Drei Frauen in eleganter Kleidung stehen vor einem hellen Hintergrund mit einem schwarzen Torbogen.

Sie weiß schon, dass es eine schwierige Mission wird. "Frauen!", ruft Mavie Hörbiger als Lysistrata zu Beginn dieser Fassung auf – im augenrollenden Tonfall. Die von ihr eingeladenen potenziellen Mitstreiterinnen tauchen nicht auf. Hätte sie zu Feier oder Orgie geladen, wären sie wohl da. Oder, noch mehr ins Heute übersetzt: Beim nächsten Mal Umsturz mit Frauen planen, besser Prosecco ankündigen. 

Perfider Plan

Mit solchen Klischees spielte Aristophanes' Stück schon vor mehr als 2400 Jahren. Aber die Männer bleiben auch nicht geschont in dieser Komödie, in der ebendiese Athenerin Lysistrata einen perfiden Plan ersinnt, die Männer dazu zu bringen, einen schon Jahre andauernden Krieg zu beenden. Sex-Entzug – und die Konfiszierung der Kriegskasse - soll die Männer beider Parteien (Sparta und Athen) so zermürben, dass sie einem Frieden zustimmen.  

Regisseur Thomas Jonigk hat - zusammen mit dem Ensemble - nun eine kompakte Version (eineinviertel Stunden, kein Chor) für das Kasino kreiert, in der sich überzeichneter Humor und das Herauspicken von gesellschaftlichen Dauerbrennern die Waage halten. Die Bühne (Florian Persché) sieht weniger aus wie die besetzte Akropolis, denn eine beschauliche Ecke in Santorin (weiße Torbögen mit Stufen dran). 

Die Kostüme (Selina Schweiger) erzählen die Figuren gut: Hörbiger trägt ein viel zu großes Herrensakko – weil keiner der Männer ihrer Lysistrata irgendetwas Nicht-Frauenspezifisches zutraut. Ines Maria Westernströer hingegen wird von einem Nichts in Gelb umweht – sie ist als Kalonike der Inbegriff von "Der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach" – oder wie es hier formuliert wird: "Nimm uns alles, nur nicht den Schwanz!".  Roland Koch wiederum als Ratsherr – der größte Gegenspieler der Lysistrata – kommt in kurzen Hosen und voluminösem Rucksack wie ein verkleideter Bub daher – weil man ihn auch nicht ernstnehmen kann.

Phalluswitze - einer geht noch!

Apropos ernstnehmen:  Das Stück baut auf pubertäre Phalluswitze, wie es schon Aristophanes gefallen hat – es wird nur dadurch gebrochen, dass gleich selbst gekichert wird: Speer – höhö, Schwert – höhö, harte Tage – höhö. Das gipfelt schließlich im Spartaner mit dem Ständer – Michael Wächter trägt da eine Garderobe mit sich herum. Er wird dann "getröstet" von Spartanerin Lampito (Annamária Láng) - nachdem die sehr spezielle Diplomatie tatsächlich funktioniert hat. 

Banane in der Unterhose

Auch die genderfluide Besetzung sorgt für Humor: Wie Seán McDonagh als Myrrhine ihrem/seinem Mann Kinesias (Lola Klamroth mit Banane in der Unterhose) widersteht, den vorher Lysistrata im "sexy" Modus (in dem sie klingt wie Winnetouch aus "Der Schuh des Manitu") angeschärft hat, ist lustig absurd. 

Eher traurig ist, dass sich manches aus dem Text, gerade an den Stellen, wo er recht treu übernommen wurde, nicht geändert hat. Frauen, die sich über politische Dummheiten von Männern ärgern – wenn das nicht gerade heute aktuell ist. Das Ende des Stücks ist anders, denn mehr als 2400 Jahre später zeigt die Erfahrung: Der schönste Friede hält nicht lang. Lysistratas letztes Wort ist daher – mit augenrollendem Tonfall: "Männer!"

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