König nur für 20 Minuten: Denn wenn der Herrgott net will ...
Am Ende seines turbulenten Lebens schrieb Ludwig XIX., für gerade einmal 20 Minuten König von Frankreich, seine Memoiren. Und zwar im österreichischen Exil, in Görz. Genau da setzt Lukas Schrenk an. Sein Louis Antoine de Bourbon schreibt aber nicht mehr, sondern kürzt. Am Ende des knapp zweistündigen Solos wird von den Erinnerungen nichts mehr übrig geblieben sein.
„Ludwig XIX. – König für zwanzig Minuten“, ersonnen von Schrenk mit seinem Partner, Burg-Ensemblemitglied Nils Strunk, ist daher in erster Linie eine Spekulation. Wenngleich ein hinreißende. Sie war im März 2024 am Staatstheater Wiesbaden uraufgeführt worden. Seit Mittwoch präsentiert das Duo die amüsante Lebensbeichte in Wien – im Theater Akzent. Und da ist sie viel eher daheim. Denn Ludwig war mit seiner Cousine Marie Thérèse verheiratet. Und diese ist als Tochter von Marie Antoinette ein Enkelkind von Maria Theresia ...
Schrenk erzählt also über die Wirren der Französischen Revolution aus einer anderen Perspektive. Eben jener des Dauphins, der von seinen Lehrern eingetrichtert bekommen hat, dass der König – und nur er – mit Gottes Gnaden herrsche. Er will daher die Krone zurückerobern, kämpft aber auf verlorenem Posten. Denn andauernd brechen Bündnispartner weg, die Familie zieht vom einen Exil ins nächste.
Auf der Bühne stehen daher vielerlei Reisetruhen. Ihnen entnimmt Schrenk, was er gerade an Requisiten und Kostümen braucht: Er verkörpert alle Rollen, darunter den urcoolen Checker Napoleon. Der zunehmend dichter werdende Abend ähnelt im Aufbau der „Schachnovelle“, mit der Strunk in der Burg brilliert. Und auch in dieser Produktion gibt es ein Quartett (mit Strunk am Keyboard). Es untermalt die Ereignisse, Chansons werden gesungen – von „Je t’aime … moi non plus“ bis zu „L’ important c’est la rose“.
Herrschen durfte Ludwig XIX. nie. Denn wie schon Hans Moser wusste: „Wenn der Herrgott net will ...“
Kommentare