Lorenzo Viotti zelebriert mit den Symphonikern die „Leningrader“

Der Dirigent setzt im Wiener Konzerthaus auf das Überwältigende, jedoch ohne in banale, brachiale Gewalt zu verfallen
Musik

Dmitri Schostakowitsch begann seine siebte Symphonie zu komponieren, als die deutsche Armee 1941 Leningrad belagerte. Die Bedrohung dokumentierte er in dieser Partitur als monumentales Klang-Spektakel. Lorenzo Viotti ließ bei der Aufführung mit den Wiener Symphonikern im Konzerthaus die Unerbittlichkeit dieser Symphonie in C-Dur erleben.

Seit 2021 ist der 35-jährige Schweizer Chefdirigent der Niederländischen Philharmonie und an der Nationaloper in Amsterdam. 2028 wird er Generalmusikdirektor der Oper in Zürich. Er gastiert bei den bedeutendsten Klangkörpern wie den Wiener und den Berliner Philharmonikern, der Sächsischen Staatskapelle Dresden, um nur einige zu nennen.

Der Klang der Symphoniker wirkt unter seinem präzisen Dirigat wie frisch poliert. Zunächst bei der Chaconne aus Johann Sebastian Bachs „Partita“ (Bearbeitung für Orchester von Hideo Saito), mit der er als Hommage an den Bach-Verehrer den Auftakt gibt. Dann die „Leningrader“: Viotti setzt auf das Überwältigende, jedoch ohne in banale, brachiale Gewalt zu verfallen. Im Gegenteil. Die immer wiederkehrenden Rhythmen, die an Ravels „Bolero“ denken lassen, steigert er ins Bedrohliche. Das klingt, als ob gigantische Soldaten-Heere auf einen zu marschierten.

Wie Kugelhagel

Mit den Klangwuchten werden Bilder von Panzer-Kolonnen evoziert, die alles niederwalzen. Trommelwirbel wirken wie Kugelhagel. Plastisch arbeitet Viotti das Lautmalerische heraus. Subtil lässt er Details durchschimmern, wie das Spöttische in der Solo-Flöte und das dämonische Schnalzen der tiefen Streicher. Klangwuchten changieren mit extrem zarten Streicherklängen und furiosen Veitstänzen. Den Triumph im Finale zelebriert er exzessiv. Pathos, das passt. Ovationen.

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