Gigant der kleinen Formen: Zur Erinnerung an Friedrich Cerha
Von Susanne Zobl
Am 17. Februar wäre Friedrich Cerha 100 geworden. Die Würdigung zu Lebzeiten zum 95. Geburtstag verhinderte die Pandemie. Als dann das Musikleben wieder aufgenommen wurde, war seines erloschen. Cerha verstarb am 14. Februar 2023.
Gediegene Gedenkveranstaltungen, Aufführungen seines Orchester-Zyklus „Spiegel I -VII“, da und dort das eine oder andere Werk in einem Konzert, und das war’s. Jetzt wäre die Gelegenheit, den Bahnbrecher der Neuen Musik, den Schöpfer großen musikalischen Welttheaters – wie die Opern „Der Riese vom Steinfeld“ und „Baal“ – gebührlich zu würdigen.
Im Konzerthaus entschied man sich für eine Miniatur-Variante im Mozart-Saal. Da wurde der Gigant als Meister der kleinen Formen präsentiert. Die Company of Music intonierte unter der Leitung von Johannes Hiemetsberger das A-cappella-Werk „Zehn Rubaijat des Omar Chajjam“. Wortdeutlich und bestens ausbalanciert brachten die Damen und Herren die aus dem Persischen übersetzten bissigen Vierzeiler zu Gehör.
Das Boulanger Trio (Birgit Erz, Violine; Ilona Kindt, Cello; Klara Haltenwanger, Klavier) demonstrierte mit dem Klaviertrio, das Visionäre von Cerhas Musik, das bis in Gegenwart wirkt. Alle drei Instrumente agieren gleichberechtigt und lassen Emotionen spüren.
Der Klarinettist Andres Schablas, an dessen Klang Cerha beim Komponieren der „Acht Bagatellen“ dachte, wie er selbst schrieb, führte diese mit der Pianistin Janna Polyzoides virtuos vor. Da werden pointierte, musikalische Aphorismen in packende Töne gegossen. Die Ausschnitte aus den „Hölderlin-Fragmenten“ ließen Ensemble-Mitglieder des Klangforum Wien zur Hommage an den Komponisten werden.
Kommentare