Leiterin der Prager Nationalgalerie überraschend abberufen
Die bisherige Leiterin der tschechischen Nationalgalerie, Alicja Knast, ist überraschend abberufen worden. Das hat der seit Dezember amtierende neue Kulturminister, Oto Klempir, entschieden. Die gebürtige Polin Knast hatte den Posten an der Spitze der größten Kunstsammlung des Landes Anfang 2021 übernommen. Klempir wurde als Parteiloser von der rechten Autofahrerpartei Motoristen nominiert.
Als Grund für den umstrittenen Führungswechsel gab Klempir an, dass die Prager Nationalgalerie das "Potenzial ihrer Sammlungen" stärker ausschöpfen müsse. "Ich bin von dieser Entscheidung etwas überrascht", sagte Knast im Fernsehsender CT. Klempir wünsche sich eine "völlig andere Ausrichtung der Nationalgalerie". Was das konkret bedeutet, war zunächst unklar. Vorübergehend soll die Kunsthistorikerin Olga Kotkova die Leitung übernehmen.
Besucherzahlen zuletzt gestiegen
Im vergangenen Jahr besuchten rund 555.000 Menschen die Nationalgalerie, rund 25.000 mehr als noch 2024. Die vor 230 Jahren gegründete Kultureinrichtung verfügt in Prag über zahlreiche Ausstellungsräume, darunter den Messepalast, das Palais Schwarzenberg und die Wallenstein-Reithalle. Die Kulturmanagerin und Musikologin Knast war die erste Frau an der Spitze der Institution.
Fachleute verwiesen auf eine langjährige Unterfinanzierung der Nationalgalerie und eine zu starke Abhängigkeit vom Ministerium. Seit Dezember regiert in Tschechien eine Koalition aus der rechtspopulistischen ANO des Regierungschefs Andrej Babis mit zwei Kleinparteien vom rechten Rand des politischen Spektrums.
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