Laufey in Wien: Jazz, Klassik, Pop, Drama und viel Talent
Es ist wirklich nicht zu glauben: Laufey, jene Musikerin, die 2023 mit ihrer Fusion aus Jazz, Pop und Klassik auf TikTok viral ging, war noch nie in Wien. Trotzdem steht die 26-Jährige jetzt in der vollen Wiener Stadthalle vor 9000 (die Bestuhlung ließ nicht mehr zu) hingebungsvollen Fans. Deren Kreischen in den höchsten Tönen ist anzuhören, dass sie überwiegend weiblich und sehr jung sind.
„Das ist verrückt“, sagt Laufey. „Ich bin das erste Mal hier und hab sofort das Gefühl, hier Familie zu haben. Und ich war nicht nur auf meinen Tourneen nicht hier, ich war überhaupt noch nie in Wien - und das, obwohl ich Mozart-Fan bin.“
Immer wieder schiebt die gebürtige Isländerin in dieser nach ihrem dritten Album „A Matter Of Time“ benannten Show lange Passagen dazwischen, in denen sie von sich erzählt, dann sagt, sie höre schon auf zu reden, nur um dann doch noch weiter zu plaudern. Das macht sie einerseits sehr sympathisch und bricht andererseits das theatralische Konzept von fünf Akten auf, in das Laufey 25 ihrer Songs eingebettet hat.
Es ist vielleicht ungewöhnlich, dass eine Künstlerin, die Klassik, Jazz und Gesang studiert hat, sich mit Kulissen und Szenenwechsel dramatisch inszeniert. Man stelle sich Norah Jones in einem derartigen Setting vor.
Bei Laufey macht es aber Sinn. Die Akte geben der Tochter eines isländischen Finanzmanagers und einer chinesischen Violinistin die Möglichkeit, alle ihre unterschiedlichen Talente einmal in den Fokus zu rücken. Zudem ist diese Dramaturgie kein hoch technisiertes, überbordendes Spektakel, das wie etwa bei Lady Gaga starr wie eine Maschine immer gleich abläuft. Es ist ein optischer Rahmen, der Raum für Spontaneität (und langes Geplauder) lässt, sich niemals vor die Musik drängt und liebenswert altmodisch anmutet, wenn Bühnenarbeiter die Kulissen hin und her schieben.
Start ist mit einem romantischen Set vor Stiegen, die wie eine Brücke über einen Torbogen aufgebaut sind. Laufey, in einem Prinzessinnen-Kleid mit monströsem Tüll-Rock und umringt von vier Tänzerinnen, singt „Clockwork“ und „Lover Girl“ - Liebeslieder, die swingen, als wäre man in den 30er-Jahren am Broadway.
Schon jetzt ist klar: Hier wird auf höchstem Niveau musiziert. Laufeys Stimme, die in ihrem markanten Vibrato genauso sanft und zerbrechlich wie kraftvoll sein kann, ist allzeit perfekt auf dem Punkt, egal welche Spannungstöne sie in ihre jazzigen Melodien gepackt hat.
Begleitet wird sie von einem versierten Jazz-Trio mit Drums, Keyboards und Kontrabass, einem klassischen Streichquartett und einem Gitarristen. Sie gehen mühelos mit, wenn die Songs mehr in Richtung Filmmusik tendieren, dramatischer und pompöser werden. Laufey selbst wechselt zwischen E-Gitarre, akustischer Gitarre, Klavier und Keyboards.
Im zweiten Akt steht sie mit dem Jazztrio auf einem kleinen, in das Publikum hineingebauten Steg, kreiert so eine intime Clubatmosphäre. Für diesen Akt hat sie ältere Songs in reine Jazzarrangements verpackt. Der dritte Akt ist den Songs gewidmet, in denen Laufey ihre klassischen Einflüsse zum Ausdruck bringt. Zum Beispiel mit dem opulent arrangierten „Forget-Me-Not“, bei dem die Streicher klingen, als wäre ein volles Orchester auf der Bühne. Oder mit dem Instrumental „Cuckoo Ballet“, bei dem sie Cello spielt.
Richtig dramatisch wird es in den nächsten Akten: In den Balladen „Goddess“ und „Snow White“ singt Laufey über ihre Unsicherheiten. Und in „Sabotage“, bei dem ihr zartester Gesang auf wüsteste Geräuschausbrüche prallen, über die Gefühle von Wut, „die man sich speziell als Frau oft nicht zu zeigen traut“.
Der neue Song „How I Get“ und der berührende „Letter To My 13 Year Old Self“ sind dann der Abschluss des rundum gelungenen Wien-Debüts dieser hochtalentierten Musikerin, die jetzt hoffentlich nicht mehr vergisst, Österreich auf ihren Tourneen einzuplanen.
Kommentare