Händels „Giulio Cesare“: Kampf um Macht und Liebe in Las Vegas

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Showgirls, Mafiosi und Spieler: Chiara Osella und Carlo Massari präsentieren im Landestheater Salzburg eine bunte Revue

Von: Helmut Christian Mayer

Direkt zu „Caesar’s Palace“ fährt Cäsar mit seinem Oldtimer-Cabrio, nachdem er von seinem Gegner Pompeo das Spielcasino beim Kartenspiel gewonnen hat. Schon mit diesem anfänglichen Video wird klar, dass Chiara Osella und Carlo Massari „Giulio Cesare“ von Georg Friedrich Händel am Salzburger Landestheater von Alexandrien nach Las Vegas verlegt haben.

Das italienische Regieduo zeigt die Lovestory zwischen Gangsterboss Cäsar, stets begleitet von Bodyguards, und dem selbstbewussten Showstar Kleopatra samt den politischen Machtspielen und Intrigen zeitlos als bunte Revue zwischen Mafiosi und Spielern auf dem berühmten Strip.

Dazu hat Eleonora De Leo ein farbiges Bühnenbild mit goldener Cäsar-Statue und allerlei Hieroglyphen auf den verschieb- und drehbaren Elementen geschaffen und Emilia Zagnoli passende Glitzer-Kostüme kreiert. Es wird ordentlich gesoffen und gespielt. Man vergisst dabei aber nicht auf die Feinzeichnung der Charaktere. Und es endet in einer der Hochzeitskapellen. Insgesamt eine nicht besonders erhellende, aber auch nicht störende Konzeption.

Einst lagen Kleopatra alle mächtigen Männer zu Füßen, jetzt liegt das Salzburger Publikum Nicole Lubinger zu Füßen: Mit präziser Geläufigkeit und quirliger Intensität spult sie alle Koloraturen makellos herunter und zaubert auch viele innige Töne von berührender Sanftheit hervor.

Auch sonst kann Händels Dramma per musica aus 1724 ein homogenes Sängerensemble aufweisen: Rafal Tomkiewicz singt den Titelhelden mit ausdrucksstarker, wendiger Stimme. Katie Coventry ist ein virtuos beweglicher Sesto, Valeria Giradello ein skrupelloser Tolomeo im Elvis-Look mit saubersten Tönen. Melissa Zgouridi singt die Cornelia mit kraftvollem Mezzo. Tadellos: Yevhgeniy Kapitula (Achilla), Daniele Macciantelli (Curio) und der Chor. Nireno ist gleich auf drei schräge Ladys als Hofstaat Cleopatras aufgeteilt. Das Mozarteumorchester Salzburg unter Carlo Benedetto Cimento musiziert springlebendig, mit idealer Terrassendynamik, dann wieder melancholisch verschleiert mit weiter Klangkoloristik und erzeugt eine hohe Gefühlsintensität.

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