Büchners „Woyzeck“ in Linz, ergänzt: Maries Stimme bleibt blass
Von: Werner Rohrhofer
„Woyzeck“ von Georg Büchner blieb ein Fragment, ist aber gerade deswegen ein weites Feld für Interpretationen. Am Linzer Landestheater entschied man sich für eine feministische Fortschreibung, die aber etwas zu gewollt und aufgesetzt wirkt. Büchners Part hingegen ist dicht und Tristesse bis an die Schmerzgrenze hinaus.
Um sich und seine Freundin Marie sowie den gemeinsamen Sohn durchzubringen, steht der Soldat Woyzeck einem skrupellosen Arzt für dessen Experimente als „Objekt“ zur Verfügung. Die Randfiguren der Inszenierung passen in ihrer Skurrilität und Maskenhaftigkeit ins Ambiente rund um den „Abfall Mensch“. Einziger Lichtblick für Woyzeck: Marie, die aber dem Schein des „Höheren“ in Gestalt eines Tambourmajors erliegt, auch wenn dieser Brutalität, sexuelle Gewalt und Frauendiskriminierung verkörpert.
Ein Messer im Leib
Regisseur David Bösch scheut nicht vor theatralischer Direktheit und der intensiven Aufbereitung des Themas Gewalt an Frauen zurück. Woyzecks Eifersucht und seine Verzweiflung steuern unausweichlich auf die Tragödie zu. Marie selbst spricht den verhängnisvollen Satz: „Lieber ist mir ein Messer im Leib als deine Hand in meiner.“ So endet Büchners Fragment auch damit, dass Woyzeck Marie ersticht.
In der Inszenierung ist an diesem Punkt eine Pause angesetzt. Was folgt, ist ein zweiter Teil unter dem Titel „Marie“, verfasst von der Dramatikerin Gerhild Steinbuch. In dieser „Fortschreibung“ sollte Marie als Frau in einer von männlicher Gewalt dominierten Welt eine starke Stimme gegeben werden. Ein Monolog, der aber blass zum Büchner-Teil bleibt. Hervorragend die Leistungen, vor allem von Julian Sigl als Woyzeck und Cecila Perez als Marie.
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