So ist Benedikt Mittmannsgrubers neues Programm "1996": Die Pulli-Parade

Der Kabarettist rollt Österreich vom Rand her auf. In Wien hatte nun sein neues Programm „1996“ Premiere.
Georg Leyrer
BENEDIKT MITMANNSGRUBER

Es ist ja nicht so, dass Thomas Bernhard keinen Humor hatte. Im Gegenteil! Der alte Übertreibungskünstler fand in diesem Land, das man ja von außen eigentlich gar nicht verstehen kann, ganz schön viel Witz neben all der Verzweiflung.

Kabarettist in dem Sinne war er aber natürlich keiner. Wer das schade findet, der ist bei Benedikt Mitmannsgruber goldrichtig. Vom anderen Ende Oberösterreichs aus (bei Freistadt, nicht bei Gmunden) nimmt der gerade noch 29-jährige Kabarettshootingstar das gleiche, das Bernhard’sche Österreich auf die Schaufel. Nun auch wieder in seinem neuen Programm „1996“, das am Freitag im Stadtsaal in Wien Premiere hatte.

BENEDIKT MITMANNSGRUBER

Strickpulli als Erkennungsmontur

Jenes Österreich nämlich, in dem der erste Liebesbrief, den man kriegt, vom Religionslehrer stammt, in dem das Ausland hinter der Ortstafel beginnt (die Eltern nehmen für den Einkauf in Freistadt immer den Pass mit) und man, wenn man Pech hat, mit dem eigenen Onkel in der gleichen Klasse sitzt.

Den Mitmannsgruber Benedikt, den kennt man vielleicht aus dem Fernsehen, aber vielleicht noch eher aus den Sozialen Medien. Für dort ist er in jeder Hinsicht perfekt, allein wegen seiner Erkennungsmontur, dem altmodischen Strickpulli, der ganz knapp noch kein Hipster-Gewand ist. Bei der Premiere war darauf inmitten der eckigen Muster ein Playstation-Logo zu finden. Ein guter Hinweis! Denn Mitmannsgruber nimmt, der Landei-Fassade zum Trotz, eine superheutige Perspektive auf die Schrägheit des Landes ein.

Stadt-Land-Stuss

Er spielt nicht beim üblichen Stadt-Land-Stuss mit, also beim blöden hiesigen Ideologiekampf zwischen Urban und Ländlich. Im Gegenteil: Provinz ist, klar, kein Ort, sondern im Kopf, auch bei manchen Städtern. Und lachen kann man über beides gleichermaßen.

Insbesondere, weil Mitmannsgruber eine beglückend komische Kunstfigur auf die Bühne stellt: ein ungelenk-schüchternes Muttersöhnchen mit verwursteltem Hemdkragen, das in Wirklichkeit eine Rampensau ist, die die ärgsten Dinge raushaut. 

BENEDIKT MITMANNSGRUBER

Ein Beispiel? Swing-Tanzen wollte er lernen, er ging, eine Verwechslung, aber stattdessen mit der Mama in den Swingerclub („wir haben zuhause schon ein bisschen geübt“).

Der (mit Pause) zweistündige Abend macht sich über Facebookhasskommentare und den Deutschpop lustig, über Wien, Nieder-, Ober- und Unterösterreich, über den eigenen Schnauzbart und Updates, die Computer zur Unzeit machen. Sehr, sehr, sehr lustig.

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