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Kultur
08/29/2019

Kunstsammler Franz Hauer: „Eigentlich schön, so Bilder an der Wand“

Die Landesgalerie Niederösterreich in Krems zeigt Franz Hauer (1867 – 1914) als Vorbild für Sammler von heute

von Michael Huber

Der Untertitel der Ausstellung ist missverständlich formuliert: „Selfmademan und Kunstsammler der Gegenwart“, da könnte man auch an einen Start-Up-Millionär denken, der zu Kunstmessen der Welt jettet und via Instagram daran teilhaben lässt.

Doch Franz Hauer war Wirt, im „Griechenbeisl“ in der Wiener Innenstadt, und er lebte von 1867 bis 1914. Was er sammelte, war die Kunst seiner Gegenwart, von Anton Faistauer und Albin Egger-Lienz bis zu Schiele und Kokoschka. Viele Maler, deren Werke er kaufte, sind heute vergessen, doch Hauers Neugier nach jungen, nicht arrivierten Künstlern war unstillbar: Der Gastwirt, dessen Beisl für gut gekühltes Pilsner bekannt war, zapfte dabei selbst den Urquell der Wiener Moderne an. Die Teil-Rekonstruktion seiner Sammlung, die bis 16. 2. 2020 in der Landesgalerie Niederösterreich in Krems zu sehen ist, beeindruckt mit ihrer Dichte an hochkarätigen und – nach heutigen Kunstmarktstandards – auch hochpreisigen Werken.

Durchlässige Kunstwelt

Dennoch erzählt die Schau nicht von der Exklusivität, sondern von der Durchlässigkeit der Kunstwelt: Denn Hauer war die Kunst keineswegs in die Wiege gelegt, er entdeckte und erforschte sie aus eigenem Antrieb.

Der in ärmlichen Verhältnissen in der Wachau Geborene begann seine Berufslaufbahn als Hausknecht, 1894 trat er bei seinem Schwager ins Griechenbeisl ein, 1897 übernahm er die Gaststätte. Sie lief so gut, dass Hauer zehn Jahre später eine Villa, ein Zinshaus und ein Landhaus sein eigen nennen konnte.

Als er in seinen Gemächern eines Tage Landschaftsgemälde aufgehängt hatte, soll Hauer gesagt haben: „Eigentlich schön, so Bilder an der Wand“. Von da an war es um ihn geschehen: Hauer besuchte Ateliers, protegierte Künstler (insbesondere Albin Egger-Lienz), trat als Leihgeber bei wichtigen Ausstellungen auf. Nachdem er Villa und Landhaus verkauft hatte, baute er sein Haus in der Döblinger Silbergasse zum Privatmuseum aus.

Und heute?

Der Titel der Schau wirft unweigerlich die Frage zurück, ob ein Sammler nach Hauers Vorbild heute noch denkbar ist. Für die Landesgalerie und ihre Mission, niedrigschwelligen Zugang zur Kunst zu schaffen, ist der Bilder-Wirt gewiss eine programmatische Figur.

Doch finden Menschen, die sich heute mit Geld in der Brieftasche Kunst entdecken, eine andere Situation vor: Das Angebot ist global und unüberschaubar, das Urteil über Gedeih und Verderb von Karrieren fällt schneller. Jene, die den Sprung in Star-Sphären schaffen, lassen, werden rasch unerschwinglich. Für den Gedeih einer Szene bleiben lokale Enthusiasten, wie Hauer einer war, freilich weiterhin unersetzbar.