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Kunstikone VALIE EXPORT gestorben

Sie war eine der prägendsten Künstlerinnen der Nachkriegszeit.
Kunstikone VALIE EXPORT gestorben

Die österreichische Kunstikone VALIE EXPORT ist tot. Das berichtet die APA. Mit ihr ist eine der prägendsten Künstlerinnen der Nachkriegszeit  gestorben.

PRESSEFÜHRUNG AUSSTELLUNG "VALIE EXPORT - RETROSPEKTIVE"

Ihr erstes Objekt war 1966 eine Zigarettenpackung mit ihrem Porträt und dem an die Zigarettenmarke „Smart Export“ angelehnten Künstlernamen: VALIE EXPORT. Verpflichtend in Versalien geschrieben, sollte er als unübersehbares Statement wirken: Hier ist jemand ernst zu nehmen! Tatsächlich wurden in der Folge Aktionen wie das „Tapp- und Tastkino“ (1968), bei dem sie ihre nackten Brüste betasten ließ, die im Schritt offene „Aktionshose Genitalpanik“ oder „Aus der Mappe der Hundigkeit“, bei der sie Peter Weibel an einer Hundeleine durch die Wiener Innenstadt spazieren führte, Ikonen feministischer Kunst und zur Inspiration mehrerer Generationen von Künstlerinnen. 

Geboren wurde VALIE EXPORT am 17. Mai 1940 in Linz als Waltraud Lehner. „Ich bin in einem sogenannten Frauenhaushalt aufgewachsen“, erzählte sie einmal in einem APA-Interview über ihre frühe Prägung. „Meine Mutter war Kriegswitwe. Wir waren drei Schwestern, und unsere Mutter musste das Leben mit ihren drei Mädchen gestalten. Ihr Ziel war, dass jede ihre Töchter studieren kann, um einen besseren Start zu haben und ihr eigenes Geld zu verdienen. Mit diesem Gedanken bin ich aufgewachsen und erzogen worden - und diesen Gedanken wollte ich weitergeben.“ 

Wie wenige andere steht VALIE EXPORT für die Einheit von gesellschaftlichem, künstlerischem und persönlichem Aufbruch. Als die junge Frau, die nach der Klosterschule die Kunstgewerbeschule in Linz besuchte, mit 18 ein Kind bekam (sie nannte es Perdita, die Verlorene), heiratete sie. Doch schon bald brach sie mit ihrer bürgerlichen Existenz. 1960 zog sie nach Wien, studierte an der Höheren Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt für Textilindustrie Textildesign und fand Anschluss an die Künstlerkreise rund um die Wiener Gruppe, Art Club und „Strohkoffer“.

 Aufgrund ihres „Lebenswandels“ wurde ihr das Sorgerecht für ihrer Tochter (die später auch Medienkünstlerin wurde) entzogen.

Austrian avant-garde artist Valie Export addresses the media in Vienna

Körperaktionen und Expanded Cinema 

Im Umfeld des Wiener Aktionismus - sie war mit Peter Weibel, Hermann Nitsch und Kurt Kren Mitglied des von Otto Muehl und Günter Brus gegründeten „Wiener Instituts für direkte Kunst“ -, dessen Frauenbild sie jedoch ablehnte, sorgte sie mit Körperaktionen und Expanded Cinema-Arbeiten auch auf den Chronikseiten der Zeitungen für Schlagzeilen. 1970 präsentierte sie in London ihre erste Videoarbeit „Split Reality“, in der dreiteiligen Fernseharbeit „Das Bewaffnete Auge“ setzte sie sich in den Dialog mit der Filmavantgarde, ihre Filme „Unsichtbare Gegner“, „Menschenfrauen“ und „Die Praxis der Liebe“ wurden bei den Filmfestspielen in Berlin gezeigt.

 An ihren grundsätzlichen künstlerischen Anliegen - „Körper, Konzept, Medien“ - hat sich seither ebenso wenig geändert wie an ihrem Kampf für Emanzipation, die sich bis heute gegen einen gesellschaftlichen Backlash behaupten müsse, so die Künstlerin: „Es kommt wieder dazu, dass die Frauen kämpfen müssen. Das macht mich traurig und wütend, denn wir haben wirklich vieles gemacht.“ 

VALIE EXPORT nahm an unzähligen internationalen Ausstellungen u.a. im Pariser Centre Pompidou, bei der documenta und im New Yorker MoMA ebenso teil wie an internationalen Filmfestivals. 1980 war sie mit Maria Lassnig offizielle Vertreterin Österreichs auf der Biennale in Venedig, 2009 Kommissärin. 1991 bis 1995 war VALIE EXPORT Professorin für Gestalten mit technischen Bildmedien, 1994/95 auch Vizepräsidentin der Hochschule der Künste Berlin. Von 1995 bis 2005 lehrte sie als Professorin für Multimedia-Performance in Köln. 1995 wurde ihr der EA-Generali-Skulpturenpreis zuerkannt, im Jahr 2000 wurde sie mit Oskar Kokoschka-Preis sowie dem Alfred-Kubin-Preis ausgezeichnet. 2003 erhielt die Künstlerin das Goldene Ehrenzeichen Wiens, 2005 das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst und 2009 das Ehrendoktorat der Kunstuniversität Linz. 2014 wurde sie in New York mit dem von Yoko Ono gestifteten „Courage Award for the Arts“ ausgezeichnet, der mutiges Kunstschaffen würdigt, das gesellschaftlichen oder politischen Hürden trotzt.

 

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