Kultur
16.06.2017

Kunst für Enten und Hunde

"Duckomenta" und "Dogumenta" bringen den Spaßfaktor in die Museumswelt zurück

Die Weltkunstschau documenta ist noch bis 16.7. in Athen und bis 17.9. in Kassel zu sehen - doch wie berichtet, ist die Schau alles andere als eine Spaßveranstaltung. Als Kontrastprogramm bietet sich daher die "duckomenta" an: Die Ausstellung, die seit 1986 in immer wieder adaptierter Form gezeigt wird, verpflanzt Ikonen der Kunstgeschichte in das Universum Entenhausens. In dem unweit Kassels gelegenen Schloss Wernigerode läuft die Ausstellung bis 5. November, Bis 4. Februar 2018 ist die Schau im Archäologischen Museum Hamburg zu sehen. Weitere Stationen der Schau sind auf der Website der Berliner Künstlergruppe "Interduck" zu finden.

Größen der Kunstgeschichte wie Edvard Munch, Leonardo da Vinci oder Raffael werden ebenso "duckifiziert" wie archäologische Artefake: So zeigt die Hamburger Schau etwa ein Exemplar der Pharaonin "Duckfretete" und der Eis-Ente "Dötzi".
Die Kult-Schau hatte 1986 im Comic-Salon Erlangen Premiere und war auch im Rahmen des "NextComic"-Festivals in Linz bereits zu sehen. Die Exponate werden aber ständig erweitert.

Und jetzt alle: wuff!

Auch in New York wird im Fahrwasser der Documenta derzeit ähnliches geplant - allerdings für Hunde. Die „dogumenta“ werde vom 11. bis 13. August auf einer Uferpromenade in der Millionenmetropole zu sehen sein, sagte Veranstalterin Jessica Dawson der Deutschen Presse-Agentur.

Zehn eigens für die Ausstellung - und eigens für Hunde - angefertigte Kunstwerke sollen ausgestellt werden. Sie werden extra tief aufgestellt oder aufgehängt, damit die Hunde sie auch gut sehen können. Während der Mittagshitze macht die Schau zu, damit die Pfoten der vierbeinigen Besucher nicht vom heißen Asphalt verbrannt werden.

Auf die Idee kam Dawson, die lange als Kunstkritikerin und Professorin gearbeitet hat, nachdem sie Terrier-Mischling Rocky adoptiert hatte und mit ihm durch die New Yorker Galerien zog. „Mir ist dann aufgefallen, wie er unermüdlich begeistert und schwanzwedelnd von Galerie zu Galerie zog. Er hat mit der Kunst interagiert, ohne jemals eine Besprechung in der 'New York Times' gelesen zu haben.“ Natürlich habe ihr Projekt auch Kritiker, sagte die 44-Jährige. „Aber ich sage ihnen, dass es darum geht, andere Wesen, in diesem Fall Hunde, mit Liebe und Respekt zu behandeln.“

Wer die Geschichte der "echten" documenta kennt, weiß, dass die Botschaft dort eigentlich schon längst angekommen ist: Bei der letzten Ausgabe im Jahr 2012 versuchte die Chefkuratorin Carolyn Christov-Bakargiev, den Begriff von Kunst und Publikum in Richtung der Tierwelt zu erweitern. Der Künstler Brian Jungens realisierte dazu einen eigenen Kunst-Parcours für Hunde, es wurden auch Führungen für Hunde angeboten.

Die Realität überholt die Satire, die Grenzen werden fließend - das Phänomen, das sich hier in der Kunstwelt zeigt, scheint ein durchgehendes Merkmal unserer Gegenwart zu sein. Wir kennen es schließlich auch von einem anderen Donald: Jenem im Weißen Haus.