Salzburg: "Zauberflöte" szenisch überdreht, musikalisch qualitätsvoll

Finale von "Die Zauberlföte".
Mozarts „Zauberflöte“ als Sammelsurium von Ideen überdrehte Oper im Rahmen der 70. Mozartwoche.

Ein Mann liegt leidend schwerkrank im Bett. Es ist Mozart, kurz vor seinem Tod. Er liegt in seiner Wohnung im Delirium und imaginiert die Aufführung seiner parallel am Theater an der Wieden 1791 laufenden Oper, die er selbst nicht mehr dirigieren kann: So lässt Rolando Villazón die „Zauberflöte“ im Haus für Mozart pantomimisch beginnen, noch bevor die Musik anhebt, und nimmt dabei Bezug auf eine Biografie von Henri Stendhal.

Der Intendant der Mozartwoche und Sänger hat im 70. Jubiläumsjahr des Festivals rund um den Geburtstag von Wolfgang Amadé am 27. Jänner selbst die Inszenierung dieser Oper, die eine fast 200-jährige Aufführungspraxis aufweisen kann, übernommen. In einem zeitlosen Setting ist Mozarts Wohnung mit einem Klavier, einer beweglichen und leuchtenden Uhr sowie Kästen (Bühne: Harald Thor) angedeutet.

Aus diesen wenigen Versatzstücken erscheinen oder verschwinden immer wieder die anderen Figuren in bunten Fantasiekostümen (Tanja Hofmann). Mozart bleibt den ganzen Abend omnipräsent, er komponiert das „Requiem“, beobachtet nicht nur das Geschehen, sondern greift auch immer wieder ein. Auch seine Frau Constanze und seine Kinder schwirren herum. Kurz vor dem Finale stirbt er im Bett, wird dann unter den Klängen des abrupt einsetzenden „Lacrimosa“ aus seinem Requiem, im Leichentuch hochgezogen, um dieses dann abzustreifen und im roten Mozartkugellook in der Luft herum zu zappeln und Purzelbäume zu schlagen.

Sammelsurium

Villazóns Sammelsurium an Ideen und seine Personenführung sind zweifellos quirlig, spritzig, jedoch vielfach zu überdreht, zu verzappelt und einfach zu viel des Guten. So lässt er die Sklaven alle mit Mozartköpfen auftreten, immer wieder Tiere erscheinen, so trägt etwa die Königin der Nacht ein Kleid, das dem Bühnenbild von Karl Friedrich Schinkel aus 1816 nachempfunden ist.

Diese ist mit Kathryn Lewek luxuriös besetzt. Glasklar und absolut sicher sind ihre Koloraturen und ihre höchsten Töne. Als weiterer Glücksfall erweist sich Emily Pogorelc als Pamina, die mit natürlicher Empfindsamkeit, innigem aber auch robustem Gesang punkten kann. Franz-Josef Selig singt den Sarastro mit profunder Würde. Magnus Dietrich ist ein schönstimmiger Tamino mit mühelosen Höhen. Theodore Platt gibt einen spielfreudigen, kernigen Papageno in buntem Federkleid, ein von der Regie zum Dauerhüpfen verordneter Clown. Tamara Ivaniš hört man als ideale Papagena. Paul Schweinester ist ein leichtstimmiger Manostatos (hier so wie in Mozarts Autograph genannt). Solide singen die drei Damen (Alice Rossi, Štěpánka Pučálková und Noa Beinart) und die kleineren Rollen. Wunderbar intonationsrein singen die drei St. Florianer Sängerknaben ebenso wie der Philharmonia Chor Wien (Walter Zeh).

Exzellent, stets fordernd und energiegeladen am Pult kann Roberto González-Monjas das Mozarteumorchester Salzburg zu einem höchst lebendigen, kantablen und detailreichen Musizieren animieren.

Wie auch die Spielfreude großgeschrieben wird.

Stehende Ovationen!

INFO: Weitere Termine und Karten: 27. und 30. Jänner., sowie Zusatzvorstellung am 1. Februar – www.mozartwoche.at Übertragungen: 31.1., um 22 Uhr ORF 2 – 21.1., um 19.30 Uhr, Ö1.

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