Alte Männer und das Meer: Jon Fosse erzählt von schrulligen Menschen

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„Vaim“, das neue Buch des Nobelpreisträgers 2023, ist eine 160-Seiten-Erzählung ohne Punkt. Weltabgewandt, liebenswürdig.

Dies und das hätte er besorgen wollen, wenn er schon einmal in der Stadt ist, jedenfalls aber Nadel und Faden für den Fall, dass an der alten Hose ein Knopf fehlt. Neue Anziehsachen kaufen? Nicht nötig. Ebenso wenig wie ein Friseurbesuch. Haare schneiden kann er auch selber, von vorne sieht’s passabel aus und hinten ist es ja egal.

Jatgeir ist vielleicht ein kauziger Typ, doch ganz zufrieden mit seinem Leben. Kein „Jungspund“, aber auch kein „alter Knacker“. Fährt mit seinem kleinen Boot, seiner „Schnigge“ hin und wieder über den Fjord in die Stadt. Geht in die Konditorei oder auf ein Paar Frikadellen. Und dann steht plötzlich Eline vor seinem Boot. Welches, das muss man dazusagen, ebenfalls Eline heißt. Jatgeir ist kein Mann der großen Worte, aber dass er Eline in seiner Jugend sehr gern gehabt hat, ist keine Übertreibung. Irgendwann ist sie weggegangen von der Insel Vaim. Hat einen Fischer namens Frank geheiratet und Jatgeir ist nur sein Boot geblieben. Er hat es nach Eline benannt.

„Vaim“ ist er erste Roman, den der Norweger Jon Fosse seit dem Nobelpreis 2023 geschrieben hat. Von der Form ähnelt er manchem Roman des Literaturnobelpreisträgers 2025, László Krasznahorkai. Ein kauziger Erzähler, der buchstäblich ohne Punkt erzählt, wie zuletzt bei „Zsömle ist weg“.

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Nicht von dieser Welt

Auch Fosse ist kein Freund der Satzzeichen, seine gedankenstromartige Erzählung „Vaim“ entfaltet eine Sogwirkung, die durch keinen Punkt unterbrochen wird, auch nicht am Ende der Kapitel. Doch während Krasznahorkai, ausgehend von seinen zurückgezogen lebenden Erzählern, immer wieder in die weite Welt findet, bleibt Jon Fosse ganz bei sich. So auch hier, in diesem schmalen Roman, dem ersten Teil einer Trilogie. Er bleibt bei den alten Männern und dem Meer. Still und liebenswürdig. Als Jatgeir irgendwann die Welt verlässt, richtet sein einziger Freund Elias ihm aus: „Leb wohl“, und „Danke für die Gesellschaft“.

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