Donizetti in Klagenfurt: Liebe und Zaubertrank im Nobelhotel

„Der Liebestrank“ von Gaetano Donizetti wurde am Stadttheater Klagenfurt vom Publikum umjubelt
46-223670301

Von Helmut Christian Mayer 

Mit leichten perlenden Tönen, großer Exaktheit bei allen Koloraturen und Spitzentönen und zudem immer mit tiefem Ausdruck: Alice Rossi ist in „L’elisir d’amore“ von Gaetano Donizetti am Stadttheater Klagenfurt sängerisch eine Klasse für sich. Die junge Italienerin spielt aber auch die Adina, die hier eine Hoteldirektorin ist, sehr resolut und kapriziös.

Es ist immer wieder erstaunlich, mit welch überwiegend hochstehender sängerischer Qualität die Landesbühnen, so auch das Stadttheater Klagenfurt, aufwarten können. Denn auch das übrige Gesangsensemble kann sich hören lassen: Der Aufreißer Sergeant Belcore ist sehr an Adina interessiert und will sie sogar heiraten. Oleh Lebedyev singt ihn mit geschmeidigem und profundem Bariton. Mit drei Soldaten stets im Schlepptau tritt er immer sehr angeberisch in einer Fantasieuniform auf. Aber der ständig um Adina verzweifelt schmachtende, etwas einfältige Nemorino, Kellner und Hausbursche des Hotels, kann diese letztlich vermeintlich wegen eines „Liebestranks“ gewinnen.

Der junge Aaron-Casey Gould punktet zwar mit hellem und höhensicherem Tenor, sollte sich allerdings sowohl szenisch als auch stimmlich das teils überzogene Outrieren angewöhnen, so auch beim unverwüstlichen Romanzen-Hit „Una furtiva lagrima“.

Das Personal

Mit Turban und weitem wehenden orientalischen Gewand tritt Dulcamara aus dem Publikum auf: Markus Marquardt ist der bedingt buffoneske Quacksalber. Allerdings wirkt er anfänglich unsicher und gerät ausgerechnet bei seiner wirkungsvollen Auftrittsarie gehörig ins Stolpern. Maria Tkach singt die Gianetta feinstimmig. Sie ist hier auch kein Bauernmädchen, sondern eine Angestellte im Hotel.

46-223670300

Sehr spielfreudig agiert der Chor des Hauses, der auch meist homogen mit dem Graben singt (Einstudierung: Günter Wallner). Dort hört man im bestens disponierten Kärntner Sinfonieorchester unter dem seit dieser Saison neuen Chefdirigenten Chin Chao Lin die eingängigen Melodien lebhaft funkeln und fallweise auch ordentlich kichern. Es fehlt auch nicht an duftiger Leichtigkeit und an ausgewogener Balance im Klangkörper und zur Bühne.

Regisseurin Nilufar K. Münzing verlegt die 1832 uraufgeführte, seither beliebte und erfolgreiche Oper aus der Feder des italienischen Belcanto-Meisters Donizetti (1797–1848) von einem idyllischen Dorf Anfang des 19. Jahrhunderts in ein elegantes Hotel der 50er- bis 60-er Jahre des letzten Jahrhunderts (Bühne: Britta Lammers), das bezeichnenderweise „Il Villagio“, also Dorf heißt.

Hier wird in den entsprechenden schicken Kostümen dieser Zeit (Dietlind Konold) mit großer Spielfreude und Agilität agiert, wobei die deutsche Regisseurin die Personen, auch auf den Nebenschauplätzen, wie an der Rezeption und auf der großzügig konzipierten Treppe detailliert und ideenreich führt. Zum Schluss gab es stehende Ovationen des begeisterten Publikums.

Kommentare