Elim Chan dirigiert Schostakowitsch: Appell gegen Antisemitismus

Elim Chan und das ORF Radiosymphonieorchester lassen die 13. Symphonie zum Aufruf zum Widerstand werden.
Dirigentin Elim Chan.

Der Schriftsteller Jewgeni Jewtuschenko setzte dem Massenmord an mehr als 33.700 jüdischen Kindern, Frauen und Männern 1941 in der Schlucht Babij Jar in der Nähe von Kiew in einem Gedicht ein Mahnmal und inspirierte damit Schostakowitsch. Der bestellte bei ihm noch vier weitere Gedichte für seine 13. Symphonie.

Elim Chan ließ diese mit dem ORF Radiosymphonieorchester, den Herren des Wiener Singvereins (Einstudierung: Johannes Prinz) und Alexander Vinogradov zum eindringlichen Appell gegen Antisemitismus und zum Aufruf zum Widerstand werden.

Die Akkorde zu Beginn gestaltete sie wie scharfe, unerbittliche Peitschenhiebe. Im Staccato der Bläser, eindringlichen Marschrhythmen, düsteren Klangmassen war die Bedrohung spürbar. Der Herrenchor intonierte eindrucksvoll. Alexander Vinogradov beklagte mit seinem klaren Bass subtil das Unsägliche und dokumentierte die Ausdauer der Frauen in der Sowjetunion. Deutlich hebt Chan den Sarkasmus des Komponisten im Kapitel über den „Witz“ hervor und verstörend dessen „Angst“. In zart musizierten Passagen, Kammermusik inklusive, ließ die Dirigentin spüren, wie fragil die Hoffnung auf eine "Karriere" ist. 

Zuvor überzeugte Chan mit Auszügen aus Schostakowitschs Musik zu Grigorij Kosinews „Hamlet“-Film und Berlioz„ „Tristitia“.

Jubel für diesen denkwürdigen Abend. 

Kommentare