Zubin Mehta dirigierte mit fast 90 in Wien: Ein Lächeln im Umdrehen
Zubin Mehta ist eine Dirigierlegende und hat der Musikwelt unglaublich viele tolle musikalische Abende auch in Wien geschenkt. Jetzt, knapp vor seinem 90. Geburtstag, war er erneut am Pult im Wiener Musikverein zu erleben. Körperlich schwer gehandicapt, wurde er mit einem Rollstuhl hereingefahren und dann von zwei Helfern mühevoll und minutenlang auf das Podest und den Dirigierstuhl gehievt, wo der sitzend kaum oder mit extrem sparsamen Zeichen dirigierte.
Und so lastete die überwiegende Leitung des Orchesters auf den Schultern des Konzertmeisters des West-Eastern Divan Orchestra: Dieses 1999 von Daniel Barenboim gemeinsam mit dem mittlerweile verstorbenen Palästinenser Edward W. Said als Friedensprojekt gegründete Ensemble besteht hauptsächlich aus jüngeren israelischen, palästinensischen und arabischen Musikern.
Nach einer farbenreich interpretierten Ouvertüre aus „Rienzi“ von Richard Wagner war Ludwig van Beethovens „Achte“ angesagt. Großteils wurde man der derb-fröhlichen Stimmungen und der ironisierenden Brechungen und der rhythmischen Verschiebungen voll gerecht. Dann wurden die beinahe unerträglich schneidenden Streicher immer wieder von schweren, bedeutungsvollen Fanfaren brutal unterbrochen. Diese schicksalsschwere Grundhaltung kam beim Orchester beinahe ideal zur Geltung: Bei Tschaikowskys 4. Symphonie wurde durch viele Temporückungen, meist spannungsgeladen mit satten Streicher- und fetten Bläserklängen musiziert.
Stehende Ovationen für den Dirigenten, der selig lächelte, wenn er sich zum Publikum umdrehte! War es ein Abschied? Im März möchte Mehta zum 90er am Pult der Wiener Philharmoniker stehen.
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