Jubelstürme nach langer Absenz: Wiener Philharmoniker in Erl

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Konzert bei den Tiroler Festspielen, Orchester erstmals seit 1999 in Tirol.

„Zuletzt waren sie nach langer Absenz doch tatsächlich letztmalig im Jahr 1999 in Tirol und seit 1917 in unserem Bundesland insgesamt nur neun Mal, wie ich recherchiert habe“, begrüßte ein sichtlich bewegter Hans Peter Haselsteiner, Präsident der Tiroler Festspiele, sein Publikum zum Konzert der Wiener Philharmoniker.

So war es aufgrund dieser unglaublich langen Spanne höchste Zeit, dass das österreichische Paradeorchester hier bei den Tiroler Festspielen in Erl im Festspielhaus aufspielte.

Lange ausverkauft

Natürlich war der Saal seit Wochen völlig ausverkauft und das Publikum in gespannter Erwartung. Und man wurde nicht enttäuscht: Der Klangkörper, soeben aus dem nicht allzu fernen Salzburg von der Mozartwoche angereist, hatte ein fast identisches, dort schon höchst erfolgreich aufgeführtes Programm im Gepäck.

Gleich zu Beginn tauchte man intensiv in eine Geisterwelt, ins Fantasiereich der Ouvertüre „Ein Sommernachtstraum“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy ein: Hochromantisch und reich an Farben wurde hier unter der ebenfalls schon in Salzburg am Pult stehenden Karina Canellakis, die damit ihr vielbeachtetes Debüt bei den Philharmonikern gegeben hatte, musiziert.

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Im Gegensatz zu Salzburg, wo Maria Duenas diesen Part bewältigte, wusste die Konzertmeisterin des Orchesters, Albena Danailova, auch sonst immer wieder als Solistin bei renommierten Klangkörpern zu erleben, ihre immensen solistischen Fähigkeiten beim populären, einzigen Violinkonzert in e-Moll von Felix Mendelssohn-Bartholdy zur Schau zu stellen. Womit wieder einmal bewiesen wurde, welche exzellente Solistinnen und Solisten in den eigenen Reihen des Klangkörpers zu finden sind.

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Sie wusste auch die eingängigen Themen mit blendendem Ausdruck und reichen Abstufungen, wunderbarer Tonreinheit und hoher Virtuosität zu musizieren. Subtil wurde sie dabei von ihren Kolleginnen und Kollegen begleitet, die ihr zuletzt ebenso wie das Publikum heftig applaudierten.

Gleich nach der Pause nahm Danailova dann wieder am Konzertmeisterstuhl Platz: Immer im Schatten seiner bekannten Symphonien steht die 2. Symphonie von Ludwig van Beethoven. Zu Unrecht, denn sie beinhaltet beste Musik und wurde mit großer Spielfreude musiziert, wobei auch die Kontraste von der US-amerikanischen Dirigentin gekonnt herausgearbeitet wurden. Dem weitausschwingenden Ruhepol des Werkes, dem kantablen Larghetto fehlte es nicht an großer Innigkeit. Auch die teils extrem schnellen, diffizilen Tempi im Finalsatz wurden mit Bravour bewältigt.

Das Publikum zeigte sich den ganzen Abend begeistert, es applaudierte und jubelte immer wieder heftig.

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