Kultur
18.06.2018

Klaus Maria Brandauer: Unverwechselbar, kritisch und gnadenlos

Zum 75. Geburtstag zeigt der ORF neben Porträts auch Filme mit dem Jubilar, Weltstar und der Lichtgestalt der österreichischen Schauspielwelt.

Er wirkt aufgeräumt, aber auch zornig. Ihm selbst gehe es zwar gut, und das Theater sei lebendig wie eh und je. Aber wenn politische Themen zur Sprache kommen, zieht es Klaus Maria Brandauer die Falten über der Nasenwurzel auf. Denn von Altersmilde hält der österreichische Schauspieler und Weltstar, der am 22. Juni seinen 75. Geburtstag feiert, wenig.

Brandauer ist kein Leichter. Kein Heuchler. Er ist eben, wie er ist. Einmal aufbrausend, einmal empathisch. Im Max-Reinhard-Seminar hat er jahrzehntelang Nachwuchsschauspieler gelehrt – oder besser gesagt: gedrillt. Gnadenlos. Diejenigen, die bis zum Ende durchhielten, hatten das Rüstzeug erhalten, um Karriere zu machen. Darunter heutige Größen wie Birgit Minichmayr oder Philip Hochmair.

Oscar

Der am 22. Juni 1943 in Bad Aussee als Klaus Georg Steng zur Welt gekommene Schauspieler hat in den vergangenen 50 Jahren so gut wie jede wichtige Rolle am Theater übernommen. Obwohl dem Bühnenstar Filmangebote lange Zeit nicht reizten, konnte ihn der ungarische Regisseur István Szabó für die Titelrolle in der Verfilmung von Klaus Manns Schlüsselroman „Mephisto“ über Gustaf Gründgens gewinnen. Dem Erfolg von „Mephisto“, der 1982 als bester fremdsprachiger Film mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, folgten hochkarätige internationale Angebote: Im James-Bond-Film „Sag niemals nie“ mimte Brandauer Maximilian Largo, den Superbösewicht und Gegenspieler von Sean Connery.

Am Ende immer selbst

Der ORF serviert seinem Publikum zu Brandauers 75. Geburtstag einige Schmankerln. So stehen zwei seiner größten Filmerfolge auf dem Programm. Zunächst: István Szabós „Mephisto“ (Mo., 0.30 Uhr, ORF2); zuvor läuft das Porträt „Ich bin’s am Ende immer selbst“ um 23.20 Uhr.

Am 23. Juni um 13.10 Uhr gibt es auf ORF2 „Jenseits von Afrika“ zu sehen, jenen Film, für den Brandauer 1986 den Golden Globe erhielt. Brandauers jüngster TV-Film, das ROMY-prämierte Alzheimer-Drama „Die Auslöschung“ (2013), ist am Mittwoch um 20.15 Uhr in ORF2 zu sehen. In Nikolaus Leytners Film spielt Brandauer an der Seite von Martina Gedeck einen Universitätsprofessor, der eine späte Liebesgeschichte erlebt, aus der durch Alzheimer eine tragische Verlust- und Leidensgeschichte wird.

Aber gibt es eigentlich neue Projekte? „Ich bin ständig unterwegs, denn ich gebe viele Gastspiele. Zu meinem Geburtstag lese ich im Akademietheater aus den Briefen von Wolfgang Amadeus Mozart (am 19. Juni, Anm.). Im Herbst wird dann „König Lear“ am Burgtheater in der Inszenierung von Peter Stein aus der Spielzeit 2013/2014 wieder aufgenommen. Und ich werde auch wieder drehen“, sagt er der Deutschen Presse-Agentur. Für die weiteren Lebensjahre hat sich Brandauer noch einiges vorgenommen: „Das Wichtigste ist, ein neugieriger Bürger zu sein. Und jeder ist aufgerufen, einer falsch gepolten Gesellschaft die Stirn zu bieten. jeder sollte sich einmischen. Niemand sollte sagen: Ich kann nichts ändern.“