„Dienst der Versöhnung“ und „Wehret dem Unrecht“
Die Freimaurerei ist seit eh und je geheimnisumwoben und mythenumrankt – und somit ein dankbares Thema für publizistisch Tätige. Das gilt vielleicht noch mehr, wenn auch die Kirche ins Spiel kommt, ist diese doch selbst schon als jahrhundertealte religiös-spirituelle wie auch quasipolitische „Großmacht“ ein unerschöpflicher Fundus.
Einer, der in beiden Welten zuhause ist, ist der Priester und Diplomat Michael Weninger. Der 1951 geborene Weninger war unter anderem Botschafter in Kiew und Belgrad sowie politischer Berater der EU-Kommissionspräsidenten Romano Prodi und José Manuel Barroso. Nach dem Tod seiner Frau 2009 schlug der studierte Theologe den geistlichen Weg ein und wurde 2011 zum Priester geweiht. Benedikt XVI. berief ihn schließlich in den Päpstlichen Rat für den Interreligiösen Dialog.
Kardinal König gewidmet
Nun hat Weninger ein Buch über den Dialog von Kirche und Freimaurerei vorgelegt, basierend auf seiner Dissertation von 2019 an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Gewidmet hat der Autor dem früheren Wiener Erzbischof Franz Kardinal König „in Dankbarkeit“. Detailliert und kenntnisreich zeichnet der Autor die Geschichte des bekanntermaßen äußerst schwierigen Verhältnisses zwischen Kirche und Freimaurerei als ein „Ringen um Versöhnung“ nach.
Weninger misst diesem Ringen gar eine „weltgeschichtliche Dimension in religions-, kultur- und geistesgeschichtlicher sowie politischer Hinsicht“ zu und sieht darin „für die Kirche einen Prüfstein ihrer Verkündigung des Evangeliums“.
Tatsache ist, dass Zugehörigkeit zur katholischen Kirche und zur Freimaurerei einander nicht mehr ausschließen – jeder Katholik kann Freimaurer werden, man kann auch als Freimaurer katholisch sein. Weninger steht indes auch nicht an, dass es innerhalb der Freimaurerei „auch atheistische sowie der katholischen Kirche gegenüber feindlich eingestellte Vereinigungen gibt“.
Für den katholischen Freimaurer gilt nach Weninger gleichermaßen der Auftrag zum „Dienst der Versöhnung“ (2 Kor 5) wie die maurerische Weisung „Wehret dem Unrecht, wo es sich zeigt, kehrt niemals der Not und dem Elend den Rücken, seid wachsam auf Euch selbst“.
Michael Weninger: „Aus Nacht zum Licht“, Deutscher Wirtschaftsbuchverlag, 400 Seiten, 25 Euro
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