Die Wiener Halbwelt in den Fängen von Ördög Kaszbar

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Bronski & Grünberg: Kaja Dymnicki und Alexander Pschill huldigen mit „Die üblichen Strizzis“ einem Hollywood-Klassiker.

Längst kann man von einer Masche sprechen – oder von einer Handschrift: Kaja Dymnicki und Alexander Pschill, die Gründer des Bronski & Grünberg, nehmen sich eine bekannte Vorlage her, um daraus mit viel Wortwitz eine schrille Komödie zu machen. Das müssen nicht unbedingt klassische Stoffe des Theaters sein: Für „Die üblichen Strizzis“ übertrugen sie den Film „The Usual Suspects“ aus 1995 in die Wiener Halbwelt, ergänzt um Anspielungen auf Nestroy: Der Untertitel lautet „Das verteufelte Kleeblatt“.

Wieder hört man die Geräusche (zum Beispiel von krachenden Knochen oder dem Schlürfen von Limonade) – wie bei der Nachvertonung eines Stummfilms. Wieder überschlagen sich die Ereignisse. Wieder überbieten sich die beiden Theatermacher mit Gags, auch ziemlich billigen, und sprachlichen Kapriolen. Und doch bietet die neue Produktion, die am Mittwoch Premiere hatte, überraschend Neues. Denn in der personalintensiven Adaption – auf der winzigen Bühne stehen zehn Schauspieler! – verkörpert Dymnicki eine Hauptrolle: jenes des aus Prag gebürtigen, ziemlich ehrgeizigen, hoch nervösen, zudem extrem derangierten Kommissars Ambrozy Klecks. Und sie macht das geradezu hinreißend.

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Das Verhör: Kaja Dymnicki, Lisa Weidenmüller, Stefan Lasko. 

Wie im Film geht es darum, von einem Beteiligen im Verhör zu erfahren, wie es zur Explosion eines Schiffes, in diesem Fall eines Donaufrachters, mit extrem wertvoller Ladung gekommen ist. So gibt es andauernd Rückblenden: Dymnicki und Pschill spielen quasi die VHS-Videokassette immer wieder vor und zurück, die Strizzis bewegen sich zum quietschenden Gesurre im Affentempo in den Vordergrund oder verschwinden hinter den Requisiten.

Weil der Plot recht komplex ist, dauert die Vorstellung, in der die Ganoven beherzt singen (darunter „Behind Blue Eyes“ von The Who), denn auch knapp drei Stunden. Und sie blüht erst nach der Pause richtig auf: Wenn Zwibi Seraphin, der dümmliche Assistent des Kommissars (Lisa Weidenmüller), nach etlichen Versuchen kapiert, dass er im Krankenhaus mit dem Matrosen, der, übel zugerichtet, als einziger überlebt hat, auf Sächsisch kommunizieren muss.

Überheferlte Kieberer

Natürlich wird in der Folge ein Phantombild des Drahtziehers angefertigt, natürlich müssen die Kieberer schlussendlich erkennen, vom harmlos wirkenden Pimperl (Stefan Lasko) überheferlt worden zu sein.

Jeder und jede darf zwischendurch glänzen, darunter Miriam Fussenegger (die künftige „Tatort“-Kommissarin) als äußerst smarter Gangsterboss Leo Leim und Anton Widauer als dessen betörend coole Braut Hermine mit verrucht platinblonden Haaren. Doch das Glanzstück liefert Skye MacDonald ab: Sein mephistophelischer Anwalt Fadian Fisch setzt für seinen Klienten, den ominösen Ördög Kaszbar, die Bande mit sadistischem Genuss unter Druck. Dass er nebenbei als Frosch auch noch neckisch mit der Zunge Fliegen fängt, ist nur eine Draufgabe.

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