Lisa Eckharts Kabarett-Solo "Ich war mal wer“: Zucht und Streicheln
„Eine Goschen wie ein Maschinengewehr“, sagte jemand beim Pausenbier am Faschingsdienstag im Globe Wien. Damit ist frau in Wien quasi geadelt.
Für Lisa Eckhart ist Kabarett „Altenpflege ohne Anfassen“. In ihrem fünften Solo-Comedyprogramm „Ich war mal wer“ tritt sie erneut als Kaiserin „Stasi die Erste“ von Österreich und Ostdeutschland in Husarenjacke auf. Der namensmäßigen Mischung aus Stalin und Sisi hatte sie bereits 2023 ein eigenes Programm gewidmet. Nun berichtet sie zu Beginn, dass die Kunstfigur beerdigt worden sei – aber nur zum Schein.
Punchingball-Prinzip
Ihr neues Solo hatte Mitte Jänner in Eckharts sächsischer Wahlheimat Leipzig Premiere, nun präsentierte die gebürtige Steirerin „Ich war mal wer“ als Österreich-Premiere in Wien. Mit Satire, die nach dem Punchingball-Prinzip funktioniert: schnell und treffsicher. Alles ist präzise formuliert, mit Falco-epigonalem Tonfall affektiert präsentiert und im atemlosen Schnellsprech auf extreme Pointendichte gebürstet.
Kalkuliert shocking
Maximal zynisch ist der Blick ihrer extravaganten Bühnenfigur auf die Welt. Die Kabarettistin nennt ihn „heiteren Pessimismus“.
Es ist Eckhart ein Bedürfnis, dass sich im Wortgewitter jeder im Saal kurz einmal gezüchtigt und gestreichelt fühlt. Diesem Bedürfnis folgt die spezifische Art von schwarzem Humor zur gespielten Exzentrik und Arroganz: meist deftig, immer provokant, oft schlicht vulgär und kalkuliert shocking.
Es ist ein Humor, der seziert: merkwürdige Zustände, aktuelle gesellschaftliche Befindlichkeiten, die Abgründe in uns. „Wir sind zwar ständig in Bewegung, aber innerlich von nichts bewegt“, befindet Eckhart.
Sie erinnert daran, dass „die Araber uns die Zahlen brachten, damit wir uns ausrechnen können, wie viele bleiben dürfen“. Sie formuliert Pointen über Tod und Trash-TV, Tattoos und Transfrauen. Und: „Tourismus ist Kolonialismus für Bindungsgestörte, die Fortsetzung des Krieges mit anderem Schuhwerk.“
Am Fließband
Eckhart destilliert Witze aus Demenz und Oldies, die im Rollstuhl kompostieren, philosophiert über den weitverbreiteten „Hass auf alles, was Räder hat“ und so manche zivilisatorischen Verluste: „Sport ist der Auswuchs einer Schicht, die zu viel zu essen und zu wenig zu tun hat. Die Armen stehen am Fließband, während die Reichen darauf laufen.“
Wir waren noch nie so vernetzt und noch nie so einsam, ist eine Diagnose zur Zeit. Nie war die Lage so hoffnungslos. Aber die Devise scheint bei der Eckhart zu sein: Was zum Weinen ist, taugt genauso gut zum Lachen.
Das Leben – als eine ständige Abfolge von Tragödien und Katastrophen – muss abgearbeitet werden. Heiterkeit hilft dabei. Vielleicht.
Radio-Tipp: Lisa Eckhart mit „Ich war mal wer“ am Freitag, 20.2. 2026 in „Kabarett direkt“ live aus Linz (Ö1, 20 Uhr).
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