Lisa Eckharts Kabarett-Solo "Ich war mal wer“: Zucht und Streicheln

Im fünften Programm tritt die Kabarettistin als Kaiserin „Stasi die Erste“ auf.
KABARETT-PREMIERE "ICH WAR MAL WER" VON UND MIT LISA ECKHART

„Eine Goschen wie ein Maschinengewehr“, sagte jemand beim Pausenbier Dienstag im Globe Wien. Damit ist frau in Wien quasi geadelt. Für Lisa Eckhart ist „Kabarett Altenpflege ohne Anfassen“. In ihrer fünften Solo-Comedy "Ich war mal wer“ tritt sie als Kaiserin „Stasi die Erste“ von Österreich und Ostdeutschland in Husarenjacke auf. 

Mit Satire, die nach dem Punchingball-Prinzip funktioniert: schnell und treffsicher. Alles ist präzise formuliert, mit Falco-epigonalem Tonfall affektiert präsentiert und im atemlosen Schnellsprech auf extreme Pointendichte gebürstet.

KABARETT-PREMIERE "ICH WAR MAL WER" VON UND MIT LISA ECKHART

"Heiterer Pessimismus"

Maximal zynisch ist der Blick ihrer extravaganten Bühnenfigur auf die Welt. Die Kabarettistin nennt ihn „heiteren Pessimismus". Es ist ihr ein Bedürfnis, dass sich im Wortgewitter jeder im Saal kurz mal gezüchtigt und gestreichelt fühlt. Diesem Bedürfnis folgt die spezifische Art von schwarzem Humor zur gespielten Exzentrik und Arroganz: meist deftig, immer provokant, oft schlicht vulgär und kalkuliert shocking. Humor, der seziert: Merkwürdige Zustände, aktuelle gesellschaftliche Befindlichkeiten, die Abgründe in uns. „Wir sind zwar ständig in Bewegung, aber innerlich von nichts bewegt.“ 

Sie erinnert daran, dass „die Araber uns die Zahlen brachten, damit wir und ausrechnen können, wie viele bleiben dürfen“. Sie formuliert Pointen über Tod und Trash-TV, Tattoos und Transfrauen. Und: „Tourismus ist Kolonialismus für Bindungsgestörte, die Fortsetzung des Krieges mit anderem Schuhwerk.“

Am Fließband

Sie destilliert Witze aus Demenz und Oldies, die im Rollstuhl kompostieren, philosophiert über den weit verbreiteten „Hass auf alles, was Räder hat“ und zivilisatorische Verluste: „Sport ist der Auswuchs einer Schicht, die zu viel zu essen und zu wenig zu tun hat. Die Armen stehen am Fließband, während die Reichen darauf laufen.“

Wir waren noch nie so vernetzt und noch nie so einsam, ist eine Diagnose zur Zeit. Nie war die Lage so hoffnungslos. Aber die Devise scheint bei der Eckhart zu sein: Was zum Weinen ist, taugt genauso gut zum Lachen. Das Leben als eine ständige Abfolge von Tragödien und Katastrophen muss abgearbeitet werden. Heiterkeit hilft dabei. Vielleicht. 

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