Hoffnung auf eine neue Generation

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Die beiden Freunde Peter Menasse und Fabian Burstein reden generationenübergreifend über fast alles.

Der eine Jahrgang 1982, der andere Jahrgang 1947 – beide im Lauf der Jahre im Bereich von Kultur und Medien tätig, seit zwei Jahrzehnten in Freundschaft verbunden: Fabian Burstein, zur Zeit Intendant von Globart, und Peter Menasse, u. a. ehemaliger Chefredakteur des jüdischen Kulturmagazins Nu.

In „Generation Delta“ unterhalten sich die beiden über Gott und die Welt, „jenseits von Jung und Alt“. Wobei die „Generation Delta“ Menschen meint, „die sich über ihre Haltung als gemeinsame Generation definieren“. Oder anders gesagt: „die Hoffnung auf eine Gesellschaft, die imstande ist, mit Unterschieden zu leben“.

Wer möchte das nicht? Die Unterschiede zwischen den beiden Protagonisten sind freilich ideologisch gesehen nicht allzu groß, beschränken eher auch solche, die dem unterschiedlichen Temperament und Alter zuzuschreiben sind.

In Einzelfragen zeigen sich dann aber doch unterschiedliche Zugänge. Während Burstein „ein ganz klarer Verfechter der Strategie, Denkmäler wie jenes von Karl Lueger aus dem öffentlichen Raum zu entfernen“ ist (gerne auch gewaltsam, wie er durchklingen lässt), gibt sich hier Menasse deutlich besonnener. Weil er weiß, dass mit den Denkmälern auch die Geschichte schwindet und das Verständnis um deren Bedeutung für die Gegenwart. Außerdem: „Diejenigen, die gerade an der Macht sind, schreiben die Geschichte, anhand derer man sich unliebsamer Denkmäler entledigen kann.“

Das Böse ist „rechts“

Dafür ist etwa Burstein – aber das fällt wohl unter altersbedingt – wesentlich differenzierter, was die digitale Welt betrifft. Dem hier kulturpessimistischen Menasse hält er entgegen, dass heute „Menschen aus marginalisierten Gruppen eine Stimme im öffentlichen Diskurs“ erhielten – „auf eine massentaugliche Art und Weise, die früher undenkbar gewesen wäre“.

Generell scheint Menasse den nachgerade euphorischen Optimismus seines Gesprächspartners bezüglich der „Generation Delta“ nicht ganz zu teilen. Aber aus dieser Spannung entsteht natürlich auch zum Teil der Reiz des Zwiegesprächs.

Grundsätzlich ist man sich freilich einig, auf der „richtigen“ Seite zu stehen und darin, dass das Böse nur „rechts“ zu verorten sein kann, auf österreichischer wie internationaler Ebene. Auch plätschert die Unterhaltung über manche Strecken doch recht belanglos dahin – nicht jedes Kaffeehausgespräch verdient es, abgedruckt zu werden.

So kann man dem Schlusswort von Menasse an seinen jungen Freund durchaus einiges abgewinnen: „Dann sag jetzt bitte nichts mehr.“

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Fabian Burstein, Peter Menasse: „Generation Delta“, Amalthea, 224 Seiten, 26 Euro

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