Jüdisches Museum und Kunsthalle Wien: Miserable Besucherzahlen
Sie Dauerausstellung im Jüdischen Museum Wien, Standort Dorotheergasse
Zweifel an den Besucherstatistiken sind natürlich angebracht. Denn das MAK kam im Vorjahr mit einem vielfältigen Programm auf gerade einmal 180.998 Besuche, während das Kunsthistorische Museum erstaunliche 165.449 Besuche allein mit einer einzigen Ausstellung im Theseustempel generierte – und die lief nur fünf Monate. Mit allen Standorten zusammen (darunter die Wagenburg, das Weltmuseum und die Schatzkammer) kam das KHM, wie vor zehn Tagen berichtet, auf 2.129.677 und das Belvedere auf 2.030.522 Besuche. Der Dritte im Bunde ist die Albertina samt Dependance mit 1.290.301 Besuchen.
Doch wie schlugen sich die Ausstellungsforen und Museen in Wien, die nicht vom Bund betrieben werden? Das Leopold Museum, eine vom Staat finanzierte Privatstiftung, konnte erneut leicht zulegen – von 359.691 auf 371.004 Besuche. Und das Wien Museum am Karlsplatz, im Dezember 2023 wiedereröffnet, verzeichnete 596.657 Besuche. An allen anderen Standorten – vom Musa über das Prater- und das Uhrenmuseum bis zur Hermesvilla – kamen weitere 234.352 hinzu.
Über die Wien Holding werden vier Museen betrieben. Im Haus der Musik wurden 261.569 Besuche gezählt (1,2 % mehr als 2024), im Mozarthaus Vienna 186.780 Besuche (7 Prozent weniger), im KunstHausWien 120.734 (5,3 Prozent weniger).
Am Tiefpunkt angelangt ist das Jüdische Museum Wien: Es verlor nochmals 5,5 Prozent – und kam auf 86.763 Besuche. 2019, unter der Leitung von Danielle Spera, hatte das JMW den Rekord von 144.039 Besuchen aufgestellt. Dann kam Covid, seit 2022 ist Barbara Staudinger Direktorin. Für die Wien Holding ist klar: „Der Rückgang ist hauptsächlich auf die politische Situation und die damit verbundenen Konflikte zurückzuführen.“ Der Gaza-Krieg wird sicher zur Talfahrt beigetragen haben. Aber es ist immer gut, wenn man die Schuld nicht bei sich oder beim spröden Programm suchen muss.
Noch brutaler ist der Absturz der Kunsthalle Wien, die schon einmal 197.000 Besuche gezählt haben will: Sie kam auf deren 42.141. Gut dotiert, muss das Ausstellungsforum wohl nicht auf Erlöse bauen. Und so kommt es, dass selbst das neue Foto Arsenal (nicht im Stadtzentrum, sondern in der Pampa) mehr Besuche zählte, konkret 45.220. Diese beiden Häuser gehören zur Stadt Wien Kunst GmbH. Nach dem bitteren Ende des Kunstforums gibt es nur mehr zwei unabhängige Institutionen: Die Secession mit dem Beethoven-Fries von Gustav Klimt als Atout meldete 140.000 Besuche, das Künstlerhaus deren 39.838.
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