Die Bundesmuseen im Höhenflug, aber Mumok und MAK stürzen ab
Der Valentinstag naht. Und so wird im Oberen Belvedere wieder viel geküsst werden - vor dem "Kuss"
Kay Voges gab der Pandemie die Schuld für sein Versagen als Chef des Wiener Volkstheaters (bis zum Sommer 2025). Und es gibt noch immer Theaterdirektoren, die den Besucherschwund mit Covid begründen, darunter Herbert Föttinger, der im Sommer die Josefstadt an Marie Rötzer übergibt. Lotte de Beer hingegen jubelt: Die Volksoper verzeichnet in dieser Saison eine Rekordauslastung von 89,8 Prozent. Die insgesamt höchst erfreulichen Ergebnisse der Bundestheater (zu ihnen gehören auch die Staatsoper und das Burg- samt Akademietheater) wird Holding-Geschäftsführer Christian Kircher am 18. Februar darlegen.
Strahlende Gesichter gibt es auch bei den Bundesmuseen: Mit 8.441.175 Besuchen haben sie „im Jahr 2025 neuerlich einen Rekordwert und ein Plus von 8,62 Prozent gegenüber dem Vorjahr erreicht“, so die APA, eine Aussendung des Kulturministeriums zusammenfassend. Und weiter: „Besucherrekorde wurden in der Österreichischen Galerie Belvedere, wo man mit 2.030.522 Besuchen und einem Plus von 8,7 Prozent erstmals die Zwei-Millionen-Grenze übertreffen konnte, sowie im MAK Museum für angewandte Kunst erzielt. Letzteres konnte seine Besuchszahlen gegenüber 2024 sogar um 15,3 Prozent auf 201.169 steigern.“
Doch stimmt das?
Unbestritten ist: Die Museen profitieren ungemein vom boomenden Städtetourismus (Wien meldete kürzlich für 2025 Rekordnächtigungszahlen). Die Nationalbibliothek zum Beispiel konnte die Zahl der Besuche des Prunksaals, errichtet nach den Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach, um beachtliche 33 Prozent – von 670.854 auf 890.137 – hochjazzen. Nennenswerte Rückgänge gab es daher nur an Nebenschauplätzen, etwa in der Albertina Klosterneuburg (minus 36 %), in Schloss Ambras (minus 12 %) und in der Papyrussammlung der ÖNB (ebenfalls minus 12 %).
Der Hund aber steckt bekanntlich im Detail. Und so verglich Ihr Tratschpartner die Ergebnisse 2025 mit dem Jahr 2019, also vor dem ersten Lockdown, der für gähnend leere Säle sorgte. Und siehe da: Das Obere Belvedere mit der Schausammlung samt dem „Kuss“ von Gustav Klimt legte ordentlich zu (von 1,26 auf 1,56 Millionen Besuche), detto das Hauptgebäude des Kunsthistorischen Museums (von 852.333 auf 1,15 Millionen Besuche) und das Naturhistorische Museum (von 804.620 auf 919.116 Besuche). Die Albertina hingegen blieb gleich (bei einer Million), das Haus der Geschichte Österreich verzeichnete einen Rückgang von 102.456 auf 93.269 Besuche, das Theatermuseum rasselte von 80.322 auf 47.620 Besuche hinunter.
Und, sorry, einen Rekord fürs MAK gibt es leider nicht: Die Zahl der Besuche im Hauptgebäude sank von 205.241 auf 180.998 recht deutlich. Noch eklatanter ist der Rückgang im Mumok (Museum moderner Kunst): von 289.620 auf 204.556 Besuche.
Die Begründung, dass es zeitgenössische Kunst und Design schwerer hätten, will Ihr Tratschpartner nicht ganz glauben: Die Albertina modern im Künstlerhaus, zu Beginn der Pandemie eröffnet, liegt mit 210.818 Besuchen mittlerweile deutlich vor dem MAK wie dem Mumok. Aber freuen wir uns mit Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ): „Auch in schwierigen Zeiten zeigen die Bundesmuseen, dass sie als wertvolle Kulturgüter ein absoluter Publikumsmagnet sind.“ Denen wird er doch wohl nicht das Budget kürzen wollen!
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