Elina Garanča, nach ihrer Babypause wieder auf der Opernbühne, und Juan Diego Flórez in „La Favorite“

© /Salzburger Festspiele/Marco Borrelli

Jubel bei der letzten Starparade
08/23/2014

Jubel bei der letzten Starparade

Donizettis "La Favorite" konzertant, mit Elina Garanča, Flórez und Verspätung im Salzburger Festspielhaus.

von Gert Korentschnig

Nun stand also die letzte Opernpremiere in Salzburg auf dem Programm – nicht nur die letzte dieses Festspielsommers, sondern die letzte der Intendanz von Alexander Pereira. Es handelte sich um Gaetano Donizettis "La Favorite", die Aufführung wurde vor allem dank Elina Garanča und Juan Diego Flórez zum Erfolg.

Da es sich um eine konzertante Aufführung im Großen Festspielhaus handelte, sei hier auch die einzige Inszenierungs-ähnliche Handlung vermerkt: Diese "Favorite" begann mit 15-minütiger Verspätung, was im Publikum für eine gewisse Unruhe sorgte. Ein Offizieller betrat die Bühne, als die Damen und Herren des Münchner Rundfunkorchesters dort bereits Platz genommen hatten und auf den ersten Einsatz des Dirigenten Roberto Abbado warteten. Er verkündete: Ein Reisebus mit etwa 50 Besuchern aus einem anderen Land stehe im Stau, diese Menschen hätten aber sehr viel Geld bezahlt, um bei der Aufführung in den ersten Reihen dabei sein zu können, daher wolle man auf sie warten. Ob man auch auf Besucher, die weniger für Karten bezahlt hatten, gewartet hätte, wurde nicht verraten.

Als diese Festspielgäste erschienen, gab es Applaus, dann aber Chaos um die Plätze und einige Buhs. Pereira stand da bereits selbst auf der Bühne, versuchte zu koordinieren und rief Richtung Ränge: "Wenn Ihnen das passierte wäre, wären Sie auch froh." Man dachte an den TV-Spot "Alles ist möglich", bei dem eine Opernaufführung so lange Pause macht, bis der Lottogewinner im Publikum wieder aufwacht.

Bei dieser "Favorite" gab es jedenfalls keinen Grund zu schlafen, nicht nur, weil es sich um eine Nachmittagsvorstellung handelte. Roberto Abbado agierte mit dem (vor allem, was die Blechbläser betrifft) nicht durchgehend präzise spielenden Orchester so offensiv, dass Sensibilität und Differenzierung teilweise auf der Strecke blieben. Lautstärke allein ergibt ja noch keine Dramatik.

Auch Elina Garanča (als Léonor de Guzman, Mätresse des Königs) und Ludovic Tézier (als eben jener König Alphonse XI.) forcierten anfangs zu sehr, ehe sie sich auf ihre eigenen, fabelhaften Gestaltungsmöglichkeiten konzentrierten. Garanča beeindruckte fortan mit ihrem warm-timbrierten, ausdrucksstarken Mezzo, wenngleich ihre Stimme mittlerweile nach Ausflügen in ein dramatischeres Fach schreit.

Juan Diego Flórez erwies sich als Idealbesetzung für den Fernand: Seine Phrasierungskunst und seine so mühelos wirkenden Spitzentöne suchen ihresgleichen.

Warum aber ausgerechnet eine Donizetti-Oper konzertant gespielt wurde, erklärte sich weder bei dieser Aufführung, noch im gesamten Festspielprogramm. Aber wahrscheinlich ging es in erster Line um den Starfaktor, der auch Staus vor dem Festspielhaus verursacht.

Opern-Rangliste

An der persönlichen Opernbilanz Ihres Kritikers hat sich jedenfalls nichts geändert: Die beste Salzburger Aufführung 2014 bleibt "Der Rosenkavalier" von Richard Strauss, gefolgt von Rossinis "La Cenerentola" und Verdis "Il Trovatore". Am letzten Platz hat sich Schuberts "Fierrabras" dank der Regie von Peter Stein einzementiert.

Topstimmen

Das Werk Gaetano Donizettis „La Favorite“ wurde 1840 uraufgeführt. Die Oper erzählt die Geschichte der königlichen Mätresse Léonor de Guzman, die Schande über den sie liebenden Fernand bringt und am Ende zugrunde geht.

Die Aufführung Drei Topstimmen (Garanča, Flórez, Tezier), ein Mittelklassedirigent (Roberto Abbado, Neffe von Claudio).

KURIER-Wertung:

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