Jim Jarmusch Retrospektive im Kino: Der Inbegriff von cool

Richard Edson,  Eszter Bálint und John Lurie in „Stranger than Paradise“.
Jim Jarmusch. Retrospektive des Arthouse-Kult-Regisseurs im Metro Kinokulturhaus.

Als „Stranger than Paradise“ 1984 in die Kinos kam, war der Effekt umwerfend. In bildschönen Schwarz-Weiß-Aufnahmen erzählte er von dem allgegenwärtigen Lebensgefühl, immer am falschen Ort zu sein. Der Jazzmusiker John Lurie, Inbegriff von cool, stolpert mit einem Freund Richtung Florida. Dort soll es „lots if girls in bikinis!“ geben, aber natürlich erfüllt sich keine ihrer Sehnsüchte – und am Ende sind alle allein.

Mit lakonischem Humor, minimalistischem Stil und einem langsamen Erzähltempo, das sich nicht von Ereignissen antreiben lässt, machte Jim Jarmusch umgehend Schule. Gedreht auf 35-mm-Filmmaterial, das ihm Wim Wenders überlassen hatte, gewann er mit „Stranger than Paradise“ die Goldene Kamera in Cannes und etablierte sich als zentraler Vertreter des amerikanischen Independent-Kinos – jenseits von Hollywood.

Jim Jarmusch, 1989.

Jim Jarmusch 1989 am Set von „Mystery Train“.

Zuletzt gewann Jim Jarmusch, mittlerweile 73, in Venedig den Goldenen Löwen für sein Triptychon „Father Mother Sister Brother“ (Kinostart: 27. Februar). Wer einen Rückblick auf das charismatische Kinowerk des amerikanischen Arthouse-Königs werfen mag, kann das derzeit im Metro Kinokulturhaus tun. Dort ist (bis 4. März) „Jim Jarmusch – Das Gesamtwerk“ zu sehen.

Dazu zählt prominent sein Kinohit „Down by Law“ (1986), in dem sich neben John Lurie auch Tom Waits und Roberto Benigni nach einem Gefängnisausbruch durch die Sümpfe von Louisiana schlagen.

Tom Waits sollte noch öfters in Jarmusch-Filmen auftreten und ist auch in „Father Mother Sister Brother“ unverkennbar. Überhaupt spielen Musiker große Rollen im Werk des Regisseurs, der selbst mit seiner Band SQÜRL hypnotischen Drone-Sound produziert und beispielsweise den Soundtrack zu seiner traumtänzerischen Vampir-Elegie „Only Lovers Left Alive“ (2013) mit Tilda Swinton geliefert hat.

Profikiller und Busfahrer

Ein wichtiger Kollaborateur im Schaffen des leidenschaftlichen New Yorkers (wiewohl Jarmusch mittlerweile viel Zeit in seinem Haus am Land verbringt) ist auch Neil Young.

Nicht nur drehte Jarmusch mit „Year of the Horse“ (1997) einen Tourneefilm mit Neil Young and Crazy Horse, die Musik von Neil Young bildet auch den treibenden Soundtrack zum somnambulen „Dead Man“ (1995), in dem Johnny Depp seinem Tod entgegen driftet.

Außenseiter, Gestrandete, Misfits und Träumer beherrschen die Filme von Jim Jarmusch: Forest Whitaker geht als Auftragskiller in „Ghost Dog: The Way of the Samurai“ (1999) seinen Geschäften nach, Bill Murray wandelt auf den Spuren der eigenen Vergangenheit in „Broken Flowers“ (2005) und Adam Driver schreibt Gedichte – als Busfahrer „Paterson“ (2016).

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