Cecilia Bartoli feierte als Rossinis Aschenbrödel einen Triumph

© Salzburger Festspiele / Silvia Lelli

Italien sucht den Superstar: Und hat ihn längst gefunden
08/22/2014

Italien sucht den Superstar: Und hat ihn längst gefunden

Selten so gelacht in der Oper: Rossinis "Cenerentola" begeisterte das Festspiel-Publikum.

von Gert Korentschnig

Der größte Erfolg der Salzburger Intendanz von Alexander Pereira trägt den Namen ... Cecilia Bartoli.

Seine Entscheidung, die römische Sängerin und Forscherin mit der Leitung der Pfingstfestspiele zu betrauen, war goldrichtig. Jede ihrer Produktionen wurde zu einem Publikumshit und auch zu einem solchen bei der Kritik. Und die Übernahme der jeweiligen Opern ins Sommerfestival sorgt alljährlich für doppelte Freude.

Szenenfotos aus "La Cenerentola"

SALZBURGER PFINGSTFESTSPIELE: FOTOPROBE "LA CENERE

SALZBURGER PFINGSTFESTSPIELE: FOTOPROBE "LA CENERE

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SALZBURGER PFINGSTFESTSPIELE: FOTOPROBE "LA CENERE

SALZBURGER PFINGSTFESTSPIELE: FOTOPROBE "LA CENERE

SALZBURGER PFINGSTFESTSPIELE: FOTOPROBE "LA CENERE

La Cenerentola 2014 • Cecilia Bartoli (Angelina) …

SALZBURGER PFINGSTFESTSPIELE: FOTOPROBE "LA CENERE

La Cenerentola 2014 • Cecilia Bartoli (Angelina) …

NEUE KÜNSTLERISCHE LEITUNG DER SALZBURGER PFINGSTF

Wobei die Aufführung von Gioachino Rossinis "Cenerentola", die seit Donnerstag wieder im Haus für Mozart zu sehen ist, ein besonderes Highlight ist. Vor allem die Inszenierung von Damiano Michieletto ist grenzgenial und sorgte im Publikum wieder für zahlreiche Lacher – selten durfte man sich zuletzt in der Oper derart amüsieren.

Liebevoll ironisch

Michieletto erzählt die Geschichte vom Aschenbrödel, die sich vom Original vor allem dadurch unterscheidet, dass die böse Stiefmutter ein -Vater ist und dass der Prinz das Aschenbrödel am Armreif statt am Schuh erkennen muss, hinreißend komisch, dabei aber ganz dem Libretto (Jacopo Ferretti) verpflichtet und enorm klug.

Seine "Cenerentola" spielt in der Jetzt-Zeit, in einem heruntergekommenen Buffet, in dem das Aschenbrödel putzen muss. Diese Location verwandelt sich später in eine moderne Bar, in der junge Damen dem heiratswilligen Herrscher hinterherjagen, als handle es sich um eine Party des Cavaliere auf Sardinien.

Michieletto ironisiert aufgemascherlte Italienerinnen und vordergründige Prinzen mit unzähligen raffinierten Details und grandioser Personenführung, bleibt dabei aber stets respektvoll und augenzwinkernd. Diese Regie ist gleichermaßen eine Liebeserklärung an Italien wie eine kritische Betrachtung von Oberflächlichkeiten.

Die Figuren – allen voran Dandini (Nicola Alaimo) und die beiden Schwestern Clorinda (Lynette Tapia) und Tisbe (Hilary Summers) – sehen aus, als würden sie an einer Castingshow im Stil von "ISDS" (Italien sucht den Superstar) teilnehmen. Dabei wurde der Gewinner längst gefunden: Die Bartoli.

Im Hintergrund erweist sich Alidoro, der Erzieher des Prinzen, als Magier: Wie sich die Bühne (Paolo Fantin) andauernd wandelt, in ein Aquarium, in ein Hexenhaus, ist phänomenal.

Der große Bühnenspaß

Jean-Christophe Spinosi am Pult des Ensemble Matheus agiert höchst differenziert. Seine Lesart ist erfrischend, dynamisch ausbalanciert, die klangliche Umsetzung äußerst farbenreich. Wie alle Beteiligten – auch der bestens geführte Staatsopernchor – stellt sich Spinosi in den Dienst der zeitgemäßen Lesart und macht auch bei einigen Gags selbst mit.

Cecilia Bartoli besticht mit ihren Koloraturen, mit Präsenz und Präzision. Auch sie beteiligt sich lustvoll am Bühnenspaß. Ob die Cenerentola noch ihre beste Partie ist, wird da irrelevant.

Javier Camarena ist ein erstklassiger Tenor mit feinen Lyrismen und enorm viel Kraft in den Spitzentönen. Nicola Alaimo beeindruckt als Dandini, Enzo Capuano (Don Magnifico) und Ugo Guagliardo (Alidoro) singen und spielen gleichermaßen gut. Nur die beiden Schwester brillieren vor allem darstellerisch. Getrampel vor Begeisterung.

KURIER-Wertung:

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