Kultur
13.07.2018

Interviews zu "Mamma Mia 2": Der Trost von Schweden

Zehn Jahre nach dem Erfolgsmusical "Mamma Mia!" folgt nun der zweite Teil in (fast) alter Besetzung.

Amanda Seyfried war gerade dabei, ihr neugeborenes Baby zu stillen, als sie den Anruf mit der Nachricht bekam: Es wird ein „ Mamma Mia 2“ geben.

Also doch.

Zehn Jahre sind nunmehr vergangen, seit die Musikkomödie „Mamma Mia!“ von Phyllida Lloyd wie ein Komet einschlug. Basierend auf dem gleichnamigen Bühnen-Musical mit ABBA-Hits, riss „Mamma Mia!“ mit Meryl Streep und Pierce Brosnan in den Hauptrollen sein Kinopublikum vom Sessel, schuf sich eine hingebungsvolle Fan-Gemeinde und spielte weltweit 609,8 Millionen Dollar ein. Bei einem Produktionsbudget von 52 Millionen Dollar eine geradezu sensationell hohe Summe, die zudem jene Theorie Lügen straft, derzufolge Filme mit Frauen in den Hauptrolle im Kino nicht ziehen würden.

Kein Wunder also, dass es eine Fortsetzung gibt. Denn selbst wenn „ Mamma Mia 2 – Here We Go Again“ (Filmstart: Donnerstag) nicht an die Rekordzahlen seines Vorgängers heran reichen sollte – die Kassen werden in jedem Fall ausreichend klingeln.

Wer macht mit?

Amanda Seyfried, die in „Mamma Mia!“ die Tochter von Meryl Streep spielte, war trotzdem nicht sofort überzeugt, wie sie im KURIER-Gespräch gut gelaunt zugibt: „Ich dachte mir: Wer braucht das? Was für eine Geschichte soll da erzählt werden? Ist das nicht eine lächerliche Idee?“ Und – die größte Frage: „Wird Meryl Streep als Donna dabei sein?“

Meryl Streep ist wieder dabei, wenngleich in signifikant kleiner Rolle. „Mamma Mia – Here We Go Again“ konzentriert sich auf die Erlebnisse der jungen Donna, also die Vorgeschichte zu „Mamma Mia!“: Da sitzt Donna ja bekanntlich als Alleinerzieherin mit ihrer Tochter Sophie (Seyfried) auf einer romantischen griechischen Insel und betreibt mehr schlecht als recht ein Hotel. Wer Sophies Vater ist, bleibt unklar, weil Donna zum Zeitpunkt der Empfängnis mit drei Männern geschlafen hat: Ihrer großen Liebe – gesungen und gespielt von Ex-Bond Pierce Brosnan –, einem feschen Schweden (Stellan Skarsgård) und einem verzwickten Briten (Colin Firth).

All dies wissen wir bereits aus „Mamma Mia!“, wo die drei Ex-Liebhaber auf der Insel auftauchen und die arme Donna mit ihrer Vergangenheit konfrontieren.

Wie es damals, in den wilden 70er Jahren, ganz genau zuging, erzählt nun „Mamma Mia 2“ in aller Ausführlichkeit und in Rückblenden.

Zu diesem Zweck stieg die 29-jährige Britin Lily James („ Downton Abbey“, „Cinderella“) in die blaue Latzhose und spielt als junge Donna noch einmal deren Liebesdreiecke durch.

„Die junge Meryl Streep zu spielen, war für mich geradezu surreal“, seufzt Lily James: „Ich habe mir alle ihre Filme angesehen, um sie zu studieren. Es war phänomenal.“

Aber: Gab es Beunruhigungen an jener Stelle der Geschichte, wo Donna in relativ kurzer Zeit mit drei Männern ins Bett geht?

„Ja, da wurde das Produktionsstudio ein wenig nervös“, räumt Lily James ein: „Nachdem Donna von ihrer großen Liebe Sam verlassen wird und mit Bill schläft, gab es die Sorge, dass das die Glaubwürdigkeit ihrer Liebe zu Sam schwächen würde. Aber für mich war klar, dass wir uns keine Sekunde für ihr Verhalten entschuldigen dürfen. Umgekehrt habe ich selbst oft genug den love interest von Männern gespielt. Und nun nimmt endlich einmal eine Frau ihr Liebesleben in die Hand und bestimmt, für wen sie sich erotisch interessiert. Sie hat schweren Liebeskummer und lässt sich von einem schönen Schweden trösten.“

Lily James beginnt los zu prusten: „Wer würde das nicht tun?“

Vom alten „Mamma Mia“-Ensemble sind übrigens alle wieder mit dabei. Die famose Christine Baransky und die lustige Julie Walters als Donnas Girl-Band-Freundinnen kommen ebenso auf Besuch wie die drei Ersatzväter Brosnan, Skarsgård und Firth. Auch Sophies Freund Sky, gespielt von Dominic Cooper (der sich bei den Dreharbeiten zu „Mamma Mia!“ tatsächlich in Seyfried verliebte), ist wieder mit im Bild.

Einen bizarren Neuzugang in der „Mamma Mia“-Familie bietet die Sängerin und Schauspielerin Cher: Das Urgestein der amerikanischen Unterhaltungsindustrie spielt die Großmutter von Sophie und liefert einen Überraschungsbesuch ab. Mit tiefer Stimme singt sie den ABBA-Hit „Fernando“ und schmachtet dabei einen Ex-Liebhaber an.

„Dass Cher tatsächlich mitspielen würde, habe ich erst geglaubt, als ihr Flugzeug in England landete“, schwitzt der britische Regisseur von „Mamma Mia 2“, Ol Parker, noch im Nachhinein.

Weniger ABBA-Hits

Parker suchte die ABBA-Songtitel für seine Fortsetzung aus und verwendete dabei auch eine Reihe relativ unbekannter Lieder, die wohl nur den Hardcore-Fans der singenden Schweden bekannt sein dürften.

Nein, das finde er nicht riskant, verteidigt Parker seine Wahl: Zum einen stünden natürlich wieder ganz große Hits wie „Mamma Mia“, „Knowing Me, Knowing You“ oder „Dancing Queen“ auf dem Programmzettel – „Wir verwenden also keineswegs nur B-Seiten“, so Parker.

Gleichzeitig aber wollte er auch weniger bekannte Lieder wie „When I Kissed the Teacher“ oder „My Love, My Life“ einbringen. Zu diesem Zweck konnte er Benny Andersson und Björn Ulvaeus von ABBA dazu bewegen, einige Originallyrics zu verändern, um sie an die aktuellen Filmszenen anzupassen. So wurde beispielsweise aus dem Liebeslied eines Paares „My Love, My Life“ die Ballade einer Mutter an ihre Tochter.

Wie Lily James treffend feststellte: „,Mamma Mia’ ist ein Film, den man sich mit seiner Mutter ansehen sollte.“