„Die erste, die zur Tür reinkommt, heirate ich“: Das Scheitern einer Zufallsliebe mit Gijs Naber und Léa Seydoux

© Csata Hanna/Alamode Film

Kino
11/06/2021

Interview mit Regisseurin Ildikó Enyedi: Das exotische Tier „Mann“

Im Historiendrama „Die Geschichte meiner Frau“ lässt Ildikó Enyedi („Körper und Seele“) eine Liebesgeschichte mit Léa Seydoux scheitern

von Alexandra Seibel

Der Titel „Die Geschichte meiner Frau“ ist irreführend, denn eigentlich erfährt man nur etwas über einen Mann. Er heißt Jacob Störr (Gijs Nader), ist Seekapitän und beschließt aufgrund seiner Magenkrankheit, die nächstbeste Frau zu heiraten, die im Paris von 1920 das Lokal betritt.

Die Nächstbeste heißt Lizzy und wird gespielt von der schönen Léa Seydoux. Die Beziehung beginnt leidenschaftlich, doch Jacob entwickelt eine starke Eifersucht, mit der er seine Frau verfolgt.

Die ungarische Regisseurin Ildikó Enyedi, die mit ihrer zarten Schlachthof-Liebesgeschichte „Körper und Seele“ 2017 den Goldenen Bären gewann, verfilmte mit „Die Geschichte meiner Frau“ (derzeit im Kino) den einzigen, gleichnamigen Roman ihres Landsmanns Milán Füst.

KURIER: Was hat Sie daran interessiert, den Roman von Milán Füst zu adaptieren?

Ildikó Enyedi: Ich finde den Roman sehr wichtig. Als er 1962 erschien, wurde er von vielen missverstanden. Auf den ersten Blick handelt er von der Geschichte einer Eifersucht, aber in Wahrheit geht es um viel essenziellere Dinge menschlichen Zusammenlebens. Gerade jetzt ist er besonders aktuell.

Inwiefern? Weil #MeToo viele Debatten rund um Geschlechterrollen angestoßen hat?

Wir befinden uns in einem Moment der Geschichte – zumindest in Europa –, wo die Beziehungsgesetze zwischen Männern und Frauen neu geschrieben werden. Mein Film soll eine zarte Fußnote zu diesem Thema sein.

Was hat Sie an der ausschließlich männlichen Erzählperspektive gereizt?

Genau das. Wissen Sie, für mich ist das alles sehr exotisch. Aber über die Jahrhunderte hinweg haben Männer die Frauen beobachtet, sie interpretiert und als exotisch empfunden. Nun mache ich das Gleiche, nur aus der umgekehrten Perspektive: Ich beobachte diesen traditionellen, ungeschickten, fehlerhaften Mann. Ich schau mir dieses exotische Tier an. (lacht)

Warum scheitert die Beziehung zwischen Jacob und Lizzy so fundamental?

Weil – und das ist auch heute noch so aktuell – der Mann mit traditionellen Verhaltensmustern agiert, die die Komplexität einer anderen Person nicht mitdenken können. Er hat keine Ahnung, wie er mit seiner Frau umgehen soll. Er muss sich umorientieren und einen neuen Zugang zum Leben finden.

Lizzy ist tatsächlich schwer zu verstehen. Sie ist geheimnisvoll, verführerisch, undurchschaubar. Hatten Sie Sorge, alle Klischees einer Femme fatale aufzuwecken?

Ich wollte mich vor den Klischees nicht verstecken, sondern mitten in sie hinein- und über sie hinausgehen. Lizzy hat eine Form der Integrität, die für Jacob attraktiv, aber auch unerreichbar ist. In der Zusammenarbeit mit Léa Seydoux ging es mir darum, die innere Integrität der Figur zu zeigen, und nicht, dass sie eine rätselhafte Femme fatale ist. Wir hatten keine Angst vor dem Klischee. Aber vielleicht war das zu gewagt.

Josef Hader hat eine witzige Rolle als Hausbesorger. Wie sind Sie auf ihn gekommen?

Ich sah ihn als Stefan Zweig in „Vor der Morgenröte“ und habe ihn auf Festivals kennengelernt. Er hat einen umwerfenden Humor. Es tut mir leid, dass ich kein Deutsch verstehe und seine Aufführungen nicht besuchen kann. Aber ich bin sehr dankbar, dass er die Rolle übernommen hat.

Wie sieht es für Sie mit Filmförderung in Ungarn aus?

Lassen wir das Thema lieber. Für mich sieht es derzeit in Ungarn hoffnungslos aus. Aber wer weiß. Ich habe wirklich keine Ahnung.

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