Im Bronski: Sich ins Fäustchen lachen bei Faust im Faustkampf

Die Uraufführung des Mash-ups „Faust Club“ von Moritz Franz Beichl enttäuschte ein wenig im Bronski & Grünberg.
Thomas Trenkler
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Moritz Franz Beichl, der im Bronski & Grünberg ganz besonders mit seiner queeren „Effi Briest“-Bearbeitung begeistert hatte, verschnitt nun, ganz in der Tradition von Ernst Kurt Weigel im Off-Theater, Goethes „Faust“ mit dem Film „Fight Club“ von David Fincher aus 1999. Das funktioniert, wie die eifrig beklatschte Premiere von „Faust Club“ am Donnerstag zeigte, zunächst ziemlich gut, wenngleich auf einem recht seichten Niveau nahe an der Persiflage.

Doktor Faust, der tatsächlich alles studiert hat (er kennt die unterschiedlichsten Yoga-Arten und das komplette Pokémon-Universum), leidet, ach, gehörig an Weltschmerz und inhaltlicher Leere. Er scheitert auch beim Kreuzworträtsel an der Antwort für den Sinn des Lebens in elf Buchstaben. Wie der Rückrufkoordinator im „Fight Club“ stößt er zu einer Selbsthilfegruppe: Ausstatterin Elena Kreuzberger hat die Bühne des Bronski & Grünberg mit vielen Parolen („Du bist stärker als Deine Zweifel!“) für die Selbstradikalisierung austapeziert. Dort stößt er auf Marthe Schwerdtlein, das Gretchen und Mephisto: Immer wieder sitzt man auf Sesseln im Kreis und stellt sich vor.

Der schmierige Verführer (wirklich diabolisch: Florian Carove) hat eine Wette mit Gott laufen – und Faust auf seine dunkle Seite zu ziehen. Dies gelingt ihm schließlich, nach der zauberhaften Verjüngungskur (die weiße Langhaarperücke fliegt Stefan Lasko vom Kopf), mit der Faszination von Gewalttätigkeit – und dem brutalen Faustkampf.

Den „Faust“-Stoff hat Beichl mundgerecht, man könnte auch sagen: arg simplifizierend, für die junge Generation aufbereitet. Damit der Mash-up-Plot funktioniert, wurde zudem die Rolle der Marthe ordentlich aufgewertet: Doris Hindinger legt als fünffache Witwe eine Mozzarella-Stick-Theorie über Egoismus dar und mutiert im Leopardenprintmantel zur verruchten Marla des „Fight Clubs“.

Das Böse ist überall

Abwechselnd entspinnen sich Dialoge zwischen den Frauen („Lach dir doch mal so richtig ins Fäustchen!“) und den Männern. Das hilfsbereite Gretchen (Elena Hückel) spielt aber alsbald keine entscheidende Rolle mehr. Und Faust verinnerlicht das Böse derart, dass es selbst dem bösen, bösen Mephisto zu viel wird: Carove überlässt Lasko die rote Jacke, in die er als Tyler Durden geschlüpft war, und zieht sich zurück: Er gesteht Gott ein, die Wette verloren zu haben.

Garniert ist der zu aufgesetzt heitere Comedy-Abend mit vielen Songs. Und Stefan Galler illustriert als Goethe mit wuchtigen Nirvana-Gitarren-Riffs. Auch die Pixies erklingen zum Schluss. Aber die Leere bleibt.

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