„Die Performance ist eigentlich eine schlechte Idee für Venedig“

Biennale-Teilnehmerin Florentina Holzinger kann der Idee der Katharsis vieles abgewinnen und realisiert das "Pfingstspiel" in Prinzendorf
PG "FLORENTINA HOLZINGER - PFINGSTSPIEL" - MEHRSTÜNDIGE PERFORMANCE MIT PREMIERE AM 23.5. IM RAHMEN DER WIENER FESTWOCHEN: HOLZINGER

Am 6. Mai wird der Österreich-Pavillon in den Giardini von Venedig eröffnet – mit dem Beitrag von Florentina Holzinger zur Kunstbiennale. Der betont lässigen Choreografin schweben radikale Performances vor – zu einem „Triptychon an Themen“: die Wasserwelt (naheliegend in der Lagune), der Sakralraum samt Katharsis und als Synthese die Kläranlage, die aus schmutzigem Wasser sauberes macht. Insgesamt sollen mehr als 100 Personen in das Projekt involviert sein: Holzinger plant eine permanente Bespielung des Pavillons.

Doch es dürften noch zahlreiche Hürden zu überwinden sein. Der Pavillon ist schließlich keine Bühne, es fehlt zum Beispiel die technische Infrastruktur. In den Giardini ist allerdings alles genehmigungspflichtig – nicht ganz grundlos. 2017 zum Beispiel wurde ein Baum gefällt, um Platz zu schaffen für Erwin Wurms auf die Nase gestellten Russen-Lkw. Auf die Probleme angesprochen, sagt Holzinger nur, um das Projekt nicht zu gefährden: „Wir sind in einer Bewilligungsschlaufe.“ Der Nachsatz allerdings spricht Bände: „Die Performance ist eigentlich eine schlechte Idee für die Biennale.“ In den Sternen steht zudem, ob außerhalb des Biennale-Geländes Performatives realisiert werden kann.

Aber es gibt ja auch noch die „Études“, die Übungen. Sie sollen unter anderem am 11. Juli im Bodensee bei Bregenz stattfinden, in Bozen, Paris, Berlin und vielleicht auch Island. Die erste Etüde war der eigentliche Grund für das Pressegespräch am Donnerstag: Florentina Holzinger realisiert zwei Wochen nach der Venedig-Eröffnung, am 23. Mai, ein insgesamt neunstündiges „Pfingstspiel“.

Rita Nitsch, die Witwe nach Hermann Nitsch, hatte ihr vorgeschlagen, Schloss Prinzendorf, „diesen sagenumwobenen Ort“ des Orgien Mysterien Theaters, zu bespielen: „Ein geiles Angebot“, so Holzinger. „Ich komme natürlich eher vom Tanz und war nicht so obsessiv busy mit dem Aktionismus.“ Aber sie sei bei ihrem ersten Besuch von der Energie in Prinzendorf überrascht gewesen.

Und Milo Rau, der Intendant der Wiener Festwochen, hatte mehr oder weniger gleichzeitig angefragt, ob ihr etwas zum heurigen Motto „Republic of Gods“ einfiele. So kommt es eben zur Kooperation. Gestartet wird am Pfingstsamstag um 15.30 Uhr auf dem Wiener Eislauf-Verein (Holzinger hätte zwar die Marie-Theresien-Kaserne lieber gehabt) mit einem „Oratorium für Körper und Maschinen“ als Prolog. Danach werden die 700 Teilnehmer – die Veranstaltung ist bereits ausverkauft – mit Bussen nach Prinzendorf chauffiert: vom Urbanen ins Ländliche. Dort folgt „Das letzte Abendmahl“. Holzinger darf das gesamte Instrumentarium des OM-Theaters nutzen.

„Pfingsten ist ja die Herabkunft des Heiligen Geistes. Der Wind fährt in die Apostel ein.“ Diese hätten zwar unterschiedliche Sprachen gesprochen, aber die Botschaft sei allen verständlich gewesen. Daher gehe es beim Pfingstritual um das Zelebrieren von Gemeinschaft. „Das finde ich interessant, gerade in der krisengeschüttelten Welt, in der wir leben.“ Um 23.30 Uhr beginnt die Rückreise.

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