Matt Berninger (rechts) und The National mit Regisseur Mike Mills (zweiter von links).

© Graham MacIndoe

Kultur
05/17/2019

"I Am Easy To Find": Das neue Album von The National

"I Am Easy To Find", das neue Album von The National, wird von einem 24-minütigen Film von Mike Mills begleitet.

von Marco Weise

Manchmal wirft eine einzige Nachricht vieles über den Haufen. So geschehen am 3. September 2017: Bei Matt Berninger, Frontmann und Sänger, der US-Stars The National, landete eine E-Mail von Mike Mills im Postfach. Der renommierte Filmregisseur (Oscar-nominiert für das Drehbuch von „Jahrhundertfrauen“) outete sich darin als Fan und schlug eine Zusammenarbeit vor. Berninger war sofort begeistert und machte sich mit seinen Kollegen umgehend an die Arbeit, obwohl sich das Quintett nach ihrem 2018 mit einem Grammy gekrönten Album „Sleep Well Beast“ eine Pause gönnen wollte.

Zwei Jahre danach liegt das Ergebnis dieser Kollaboration vor. Bei „I Am Easy To Find“ handelt es sich einerseits um einen 24-minütigen Kurzfilm von Mike Mills, zu dem The National den Soundtrack beisteuern. Andererseits gibt es ein gleichnamiges Album: Film und Songs gingen Hand in Hand, bedingen einander in gewisser Weise, können aber auch einzeln genossen werden. Im Kern geht es um das Leben selbst – mit allen Höhen und Tiefen.

Szenen eines Lebens

Zuerst zum Kurzfilm: In diesem durchlebt Oscar-Preisträgerin Alicia Vikander („The Danish Girl“) ein ganzes Leben – von der Geburt bis zum unausweichlichen Ende. Begleitet werden die Szenen eines Lebens von den neuen Songs von The National. Das Resultat kann man sich via YouTube gratis ansehen – muss man aber nicht. Okay, die Aufnahmen sind zwar ästhetisch schön, die Geschichte berührend, aber fesselnd ist diese Bio in Bildern nicht.

Ähnlich kann man über das neue, achte Studioalbum von The National urteilen. Denn die Band, die sich mit Alben wie „Boxer“ und Songs wie „Fake Empire“ oder „I Need My Girl“ zu einer der wichtigsten Mainstream-Indierock-Vertreter der Welt getrauert hat, serviert in einer Stunde Spielzeit die bereits bekannte schwermütige Suppe, die seit 20 Jahren immer wieder neu aufgekocht wird. Bei genauerem Hinhören lassen sich aber Neuerungen ausmachen. So wird Berningers Bariton nicht mit Moll-Gitarren, sondern hauptsächlich von Klaviermelodien und Streicherarrangements veredelt. Dazu gesellen sich erstmals Gastsängerinnen (Lisa Hannigan, Sharon Van Etten und Gail Ann Dorsey), die Berninger dann stimmlich seine Grenzen aufzeigen. Macht wenig. Die Fans werden auch in den 16 neuen Songs an seinen Lippen hängen.