Horten Collection: Neue Chefin stellt Betonporsche auf Direktorinnenparkplatz

ANTRITTS-PG DER NEUEN DIREKTORIN DER HEIDI HORTEN COLLECTION VERENA KASPAR-EISERT MIT PROGRAMMPRÄSENTATION 2026
Verena Kaspar-Eisert stellte sich und ihr Programm vor: mit feministischen Schwerpunkten und kritischen Blicken auf die Institution.

Programmatische Ansagen, wie sie Chefinnen und Chefs von Kulturinstitutionen zu Saisonbeginn gern tätigen, wollen mit Leben erfüllt werden. Und nicht immer sind die Bedingungen ideal dafür.

Die seit November amtierende Chefin der Horten Collection im Wiener Hanuschhof, Verena Kaspar-Eisert, trat am Donnerstag ebenfalls mit genretypischem Vokabular („offener Denk- und Erfahrungsraum“) vor die Medien. Aber sie sagte auch Dinge wie: „Die Heidi Horten Collection ist sich der vor 1945 geschaffenen Grundlage des in der Nachkriegszeit erwirtschafteten Vermögens bewusst, das für den Aufbau der Sammlung verwendet wurde.“ Und: „Provenienzforschung ist Teil unseres ethischen Selbstverständnisses.“

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Nutznießertum

Dass das mit hochkarätiger Kunst ausgestattete, sich als schickes „Boutique-Museum“ präsentierende Haus auch auf NS-Nutznießertum des Unternehmers Helmut Horten fußt, hatte die Instution wohl auch unter Gründungsdirektorin Agnes Husslein – etwa durch Beiziehung einer eigens beauftragten Studie – nicht verschwiegen.

Kaspar-Eiserts Versprechen, die Ambivalenzen der Institution „nicht zu glätten, sondern produktiv zu machen“, ist dennoch ein Statement. Wie die Direktorin betonte, genieße sie auch den Rückhalt der in Liechtenstein registrierten „HGH Vermögen Stiftung“, die der „Erhaltung und Förderung des Lebenswerks“ der 2022 verstorbenen Milliardärin Heidi Goëss-Horten verpflichtet ist. Die Stiftung beauftragte Kaspar-Eisert auch mit der Erweiterung der Sammlung: Dafür stehe ein „nennenswerter“ (aber von ihr nicht genannter) Betrag zur Verfügung, der dazu dienen soll, weibliche Positionen zu stärken. Der Anteil von Künstlerinnen in der Kollektion, die rund 800 Werke umfasst, liege derzeit bei 10 Prozent (bei zeitgenössischer Kunst 50 Prozent).

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Rund 150 Werke der Sammlung entstanden vor 1945 – darunter Bilder Gustav Klimts oder solche deutscher Expressionisten. Hier bekenne sich die Stiftung zur „Provenienzforschung im Sinne des 1998 verabschiedeten Kunstrückgabegesetzes“. etwa 60 Prozent der Bestände, die Horten großteils ab den 1990ern bei Auktionen erwarb, seien erforscht, einen Restitutionsfall habe man noch nicht ausgemacht. Anders als bei der teilstaatlichen Leopold-Museum-Privatstiftung wurden Dossiers der Forscher und Details zu Beiräten und Empfehlungen bisher nicht öffentlich gemacht.

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Programmatisch macht sich Kaspar-Eisert jedenfalls daran, gewisse Muster des bisherigen Betriebs aufzurauen. Nach der von der Vorgängerin geplanten Schau „Animalia“ (Details siehe re.) wird Ende April die 16 Tonnen schwere Skulptur „Betonporsche“ des Vorarlberger Künstlers Gottfried Bechtold im Hanuschhof einparken – und zwar just an jenem Platz, der intern als „Direktorinnenparkplatz“ bekannt wurde. Die Skulptur, die sich als Statement zur Einbremsung von Macht- und Statusdenken lesen lässt, soll nun ein Zeichen dafür sein, dass Dinge in Bewegung geraten.

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