Frau Shakespeare geht ins Theater weinen: "Hamnet“ als heißer Oscarfavorit

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Mitreißendes Melodram über den Tod eines Kinder, das seinen Vater William Shakespeare zum Stück "Hamlet“ inspiriert.

Über das Privatleben von William Shakespeare ist wenig bekannt, deswegen findet man im Kino auch bei Weitem mehr Verfilmungen seiner Stücke als Mutmaßungen über seine Biografie. „Shakespeare in Love“ wagte sich über das Liebesleben des berühmten Dichters und erzählte die Entstehung seiner  legendären Lovestory „Romeo und Julia“ als romantische Komödie mit Gwyneth Paltrow und Joseph Fiennes. 

Der Film wurde zu einem der erfolgreichsten Hits des Jahres 1998 und erhielt sieben Oscars zur Belohnung. 

Auf einen starken Preisregen hofft auch das  Drama „Hamnet“, das sich zuletzt bei der Golden-Globes-Verleihung  mit immerhin zwei Gewinnen für besten Film und beste Hauptdarstellerin Jessie Buckley in Stellung bringen konnte.  Diesmal steht die Entstehung von Shakespeares Drama um den dänischen Prinzen „Hamlet“ auf dem Spiel. Regisseurin Chloé Zhao, mit dem Oscar für ihr Außenseiterporträt „Nomadland“ auszeichnet, verfilmte den Bestseller „Hamnet“ von Maggie O’Farrell als  inniges Melodram mit hohem Tränenspiegel. Dabei geht es nicht um Palastintrigen im faulen Staate Dänemark, sondern um ein Meer an   Gefühlen, das  aus dem Grunde einer trauernden Seele aufsteigt.

Waldhexe

Chloé Zhao teilt ihre Naturverbundenheit mit ihrem Vorbild Terrence Malick („Tree of Life“) und verschaltet sich  mit leichthändig geführter Kamera unmittelbar mit Wald, Wind und Vogelflug. Sparsam eingesetzte Musik greift die Geräusche der Natur  auf, verstärkt  ihre sinnliche Wahrnehmung und betupft große Emotionen. 

Gleich im ersten Bild findet sich eine junge Frau namens Agnes  schlafend am Fuße eines   saftig grünen Baums.  Sie gilt in dem englischen Ort Stratford-upon-Avon  als kräuterkundige Tochter der Waldhexe. Der junge Lateinlehrer William Shakespeare beobachtet sie aus seiner Studierstunde und verliebt sich auf den ersten Blick. In  einem Kennenlerngespräch erzählt er ihr den Mythos von Orpheus und Eurydike und schließt  mit dem Satz „Der Rest ist Schweigen“. 

Kleine Spuren führen zum wohlbekannten Bühnenstück   „Hamlet“, allerdings nie auf der Ebene der Handlung, sondern immer nur im Reich der Gefühle.

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Liebe auf den ersten Blick: Jessie Buckley und Paul Mescal in "Hamnet"

Tableaus der Trauer

Agnes und William heiraten und bekommen  zwei Mädchen und einen Sohn.  Während Agnes die drei Kindern in engem Verbund mit der Natur aufzieht, bricht William nach London auf, um dort zu schreiben und sein berühmtes Globe-Theater zu gründen. Trotzdem bleibt er seiner Familie eng verbunden, so lange, bis ein großes Unglück hereinbricht. Der Tod eines Kindes sprengt das Paar. Zhao baut   starre Tableaus der Trauer, in denen die Figuren der verzweifelten Eltern  voneinander einander isoliert bleiben. Agnes ist fassungslos vor Schmerz, William kehrt nach London zurück.

Theaterbesuch

Bis zu diesem Punkt erzählt Chloé Zhao  dank eines exzellenten Schauspielensembles ein mitreißendes Eltern-Kind-Drama von hoher Intensität. Besonders Jessie Buckley übernimmt mit jeder Faser ihres Körper die  gebrochene Agnes. Doch so richtig hebt „Hamnet“  im dritten Akt ab – bei der Premiere von „Hamlet“.

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Große Gefühle: Paul Mescal als William Shakespeare in "Hamlet"

„Er schreibt eine Komödie“, sagt Agnes bitter über die Arbeit ihres  Mannes und lässt sich nur widerwillig zu einem Theaterbesuch überreden. Doch was dann dort passiert, muss man gesehen haben: Paul Mescal ließ  als leidender Shakespeare  bis dahin seinen Schmerz nur im Hintergrund lodern, doch nun bricht er in seiner  Rolle als Geist von Hamlets Vater auf offener Bühne in Flammen aus. Erstmals erkennt seine Frau, dass sie mit ihrer Trauer nicht alleine ist; was die Flucht in die Natur   nicht vermochte, schafft die Kunst. Eine Woge der Emotion ergreift  das gesamte Publikum – nicht nur im Theater. 

Taschentücher nicht vergessen.

INFO: USA/GB 2025. 125 Min. Von Chloé Zhao . Mit Jessie Buckley, Paul Mescal, Emily Watson.

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