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Kritik
10/14/2019

"Guter Mensch" im Volkstheater: Beim Geld hört sich das Gutsein rasch auf

Dem Volkstheater gelingt eine starke Interpretation von Brechts „Der gute Mensch von Sezuan“.

von Guido Tartarotti

Bertolt Brechts (gemeinsam mit Ruth Berlau und Margarete Steffin verfasstes) Stück „Der gute Mensch von Sezuan“ endet mit den berühmten Zeilen: „Wir stehen selbst enttäuscht und sehen betroffen/den Vorhang zu und alle Fragen offen.“

Drei Götter besuchen die Stadt Sezuan und suchen einen guten Menschen. Sie glauben, diesen in der Prostituierten Shen Te gefunden zu haben und statten sie mit einem Startkapital für ein Tabakgeschäft aus. Shen Te beginnt, Gutes zu tun – und stößt schnell an Grenzen. Zumal sie nicht nur mit den Regeln des Kapitalismus kollidiert, sondern auch mit der Liebe. Und die Götter wollen auch nicht helfen, nur zuschauen...

Komödie

Das Wesen der Komödie ist es, dass in ihr das Alte durch das Neue verdrängt wird und sich dieser Widerspruch im Lachen auflöst. „Der gute Mensch von Sezuan“ ist in diesem Sinn eine Tragödie, weil die Verhältnisse sich innerhalb der Handlung nicht als veränderbar erweisen. Das Stück ist aber trotzdem gleichzeitig eine Komödie, weil Brecht mit den Mitteln des Witzes auf die Möglichkeit der Veränderung im realen Leben verweist.

Die heitere Inszenierung von Robert Gerloff im Wiener Volkstheater betont das Komödiantische des Stücks: Die (männlich dominierte) Macht wird als verfremdet und lächerlich vorgeführt. Und viele kleine, gut platzierte Gags nehmen der Geschichte das Volksbildnerisch-Zeigerfingerhafte.

Man kann den sehr geschickt rund um eine Drehbühne mit einem überdimensionalen Porträt Brechts (samt Zigarre) gebauten Abend auch ganz einfach unterhaltsam finden

– und sich trotzdem seiner Botschaft nicht entziehen: Wenn das Geld ins Spiel kommt, hört sich das Gutsein relativ rasch auf.

Diese Inszenierung – deren Treibstoff die großartige, viele berühmte Melodien zitierende Live-Musik einer Band rund um Imre Lichtenberger-Bozoki ist – funktioniert ganz ausgezeichnet. (Sieht man davon ab, dass sie mit gut zweieinhalb Stunden doch um einiges zu lang ist).

Tolles Ensemble

Gespielt wird ausgezeichnet. Claudia Sabitzer ist als Shen Te einfach großartig, sehr berührend, packend. Das Ensemble – Lukas Watzl, Gertrud Roll, Andreas Patton, Jan Thümer, Nils Hohenhövel, Steffi Krautz, Isabella Knöll, Günther Wiederschwinger und Constanze Winkler – agiert herrlich schwungvoll. Gabriela Neubauers sich unablässig drehende Bühne unterstützt den Charakter der nie stillstehenden Inszenierung.

Großer Jubel vom Premierenpublikum.

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