Günter Rhomberg plädiert für eine Stärkung der Bundestheater-Holding und sieht nach dem Burgtheater-Skandal die Chance auf eine "wirkliche Ausgliederung".

© KURIER/Jeff Mangione

Günter Rhomberg
09/12/2014

"Das wäre anderswo unmöglich"

Bundestheater-Chef Rhomberg über Probleme an Staatsoper und Burg sowie Hartmanns Regiegagen.

von Gert Korentschnig, Georg Leyrer

Den vielleicht wichtigsten Satz sagt Günter Rhomberg am Ende eines langen Interviews über die Zukunft der Holding und der Bundestheater: "Die Ausgliederung Ende der 90er Jahre war eine halbe Sache. Jetzt hat man die Chance, daraus eine wirkliche zu machen."

Seit Anfang September ist Rhomberg, ehemaliger Präsident der Bregenzer Festspiele und Stiftungsratsvorsitzender des Wiener Theaters in der Josefstadt, Nachfolger des zurückgetretenen Georg Springer als Chef der Bundestheater-Holding. Sein Vertrag läuft bis Ende 2015. Bis dahin soll Österreichs größter Kulturtanker wieder in ökonomisch sicheren Gewässern fahren.

Hilferuf

"Kulturminister Josef Ostermayer hat mich Anfang Juli angerufen, ich soll ihm bitte helfen", erzählt der gebürtige Vorarlberger, der es gewohnt ist, Kulturbetriebe auch nach wirtschaftlicher Praktikabilität zu führen.

Aber in welche Richtung sollen die Bundestheater künftig gehen? Wird die Holding, also die Dachorganisation, aufgewertet oder gar – wie von Josef Ostermayer nicht ausgeschlossen – abgeschafft? Rhomberg: "Meine Tendenz geht eindeutig Richtung Stärkung der Verantwortung der Holding. Und damit auch zu einer stärkeren Anbindung der Töchter, also Burgtheater, Staats- und Volksoper sowie Art for Art Theaterservicegesellschaft."

"Man muss die Basisabgeltung für die Wiener Staatsoper erhöhen."

Rhomberg will die Vorschläge dazu bis Jahresende ausformulieren. "Daneben gibt es einen Auftrag an eine externe Beratungsfirma, die den Minister in seiner Entscheidung unterstützen soll und der vor Ende des Jahres vorliegen muss. Dadurch besteht die große Chance, eine echte Reform der Holding-Struktur 2015 umzusetzen."

Als erstes hat Rhomberg den Auftrag bekommen, mitzuhelfen, dass die Bundestheater die Jahre 2014 und 2015 budgetär überstehen – ohne zusätzliche Finanzmittel von Bundesseite. "Wenngleich keine unmittelbaren Cash-Erfordernisse bestehen, wird dennoch in einem ersten Schritt nicht betriebsnotwendiges Vermögen verkauft."

Bereits im Vorfeld kritisierte der Chef der Bundestheater-Tochter "Art for Art", Josef Kirchberger, diese geplanten Verkäufe scharf. Rhomberg entgegnet: "Die diesbezüglichen Entscheidungen werden letztendlich von der Holding getroffen."

Abgesehen von solchen kurzfristigen Maßnahmen drängt Rhomberg aber massiv darauf, den Theatern Planungssicherheit zu verschaffen. "Allein die kollektivvertraglichen Lohnanpassungen für die 2500 Mitarbeiter der Bundestheater kosten jährlich rund drei Millionen Euro." Die Politik müsse "in Zukunft diese Tariflohnerhöhungen jährlich abgelten, damit wir uns diese Diskussion hinkünftig ersparen."

Seine Wunschvorstellung wären dreijährige Subventionsvereinbarungen. "Bisher war man immer der Meinung: Man wird schon einen Weg finden, auch wenn man neue Schulden macht. Das Resultat hat man am Burgtheater gesehen."

Geldsuche

Auch werde Rhomberg bis Ende 2015 weitere Möglichkeiten suchen, die Einnahmen an den Häusern zu steigern und die Ausgaben zu senken. "Es ist überall ein bisschen was drinnen – je nach Bühne unterschiedlich viel." Im Burgtheater etwa "scheint eine Erhöhung des durchschnittlichen Erlöses pro Karte möglich".

Anders gestaltet sich die Situation an der Wiener Staatsoper. "Dort werden wir keine Millionen finden. Man muss die Basisabgeltung für die Staatsoper erhöhen."

Auslastung allein – die Staatsoper kratzt hier an den 100 Prozent – kann nur ein Parameter für den Erfolg an einem Haus sein. "Man muss sich immer wieder fragen, ob der Kurs auch künstlerisch der richtige ist. Man kann mit einer Marke – Burgtheater, Staatsoper – wirtschaftlichen Erfolg haben, möglicherweise aber spüren, dass dieser nicht nachhaltig ist. Dass der Erfolg bricht, weil gewisse Reformen nicht rechtzeitig gemacht wurden."

"Mit 48,6 Millionen Euro Basisabgeltung lässt sich sicher hervorragendes Theater machen."

Wolle man, dass die Oper zum Tourismusunternehmen werden soll, müsste "das Wirtschaftsministerium aber auch einen Teil der Subvention übernehmen", so Rhomberg ironisch.

Was das Burgtheater betrifft, ist Rhomberg der Ansicht, dass man mit den vorhandenen Mitteln auskommen müsste. "Dort ist klar: Man hat über die Verhältnisse gelebt. Mit 48,6 Millionen Euro Basisabgeltung lässt sich sicher hervorragendes Theater machen."

Rhomberg selbst fragt sich: "Wie kann es sein, dass der ehemalige Direktor sich selbst vier Mal pro Jahr mehr als 50.000 Euro an Regiegage ausbezahlt? Das wäre anderswo unmöglich. Der Direktor war großzügig mit sich selbst."

Burgprozesse

Entgegen anders lautenden Gerüchten sieht Rhomberg keinen nahen Vergleich mit Matthias Hartmann in dessen Prozess gegen die Entlassung als Burgchef – "obwohl jeder weiß, dass es vernünftig wäre". Bezüglich der Diskussion darüber, ob Hartmann von den Finanzmachenschaften an der Burg hätte wissen müssen, sagt Rhomberg: "Hartmann hat aus meiner Sicht seine umfassende Verantwortung als (künstlerischer, Anm.) Geschäftsführer nicht wahrgenommen." Den Zeitpunkt für die Bestellung eines neuen Burg-Direktors hält Rhomberg für problematisch: "Wer auch immer das sein wird: Sie oder er übernimmt ein Haus, dessen genaue budgetäre Situation sie oder er nicht kennen kann."

Zurück zur Staatsoper: Rhomberg geht davon aus, dass der Abgang von Generalmusikdirektor Franz Welser-Möst zumindest ökonomisch keine Probleme schafft. "Das ist alles Sache des Hauses. Aber ich höre, dass es zu einer einvernehmlichen Lösung kommen soll." Die Causa kam natürlich ungelegen: "Man startet, und es gibt gleich eine zweite große Baustelle", sagt Rhomberg.

In der Volksoper sei es bisher gelungen, "im reibungslosen Zusammenspiel der künstlerischen und kaufmännischen Geschäftsführung die täglichen Herausforderungen zu bewältigen. Wenngleich auch dort eine Erhöhung der Basisabgeltung kommen muss."

Der neue Holdingchef

Biografie Günter Rhomberg wurde 1938 in Bregenz geboren, studierte Bauingenieurswesen an der TU Graz und arbeitete lange Zeit in der Textilbranche. Von 1981 bis 2012 war der Präsident der Bregenzer Festspiele. Seit 2005 ist er Vorstand der Theater-in-der-Josefstadt-Privatstiftung. Im Juli wurde er zum Nachfolger von Georg Springer als Geschäftsführung der Bundestheater-Holding bestellt, seit 1. September ist er im Amt. Sein Vertrag läuft bis Ende 2015.

Bundestheater Staatsoper, Volksoper, Burgtheater und Art for Art bilden als Bundestheater den größten Theaterkonzern. 1999 erfolgte die Ausgliederung. Die Subvention beträgt 148,9 Millionen Euro. Die einzelnen Bühnen fordern schon seit Jahren Erhöhungen.

Finanzskandal Der größte Problemfall ist die Burg. Im Zuge des Finanzskandals wurden sowohl Ex-Geschäftsführerin Silvia Stantejsky als auch später Direktor Matthias Hartmann entlassen. Mehrere Prozesse sind anhängig. Karin Bergmann leitet interimistisch die Burg. Noch heuer soll ein neuer Chef bestellt werden.

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